Wirfst du noch oder spielst du schon?

Hunde müssen spielen, das scheint eine klare Sache zu sein und wird von den meisten Hundehaltern beherzigt. Sonst ist er ja nicht müde zu kriegen. Spielen sieht dann so aus, dass man einen Ball oder sonstwas möglichst weit von sich weg feuert, am liebsten mit einer Ballschleuder. Wieder und wieder und wieder. Ich verstehe bis heute nicht welchen Teil davon man als Spiel interpretieren soll, denn mit der Art von Spiel wie unsere Hunde es von Natur aus gestalten würden, hat das stupide Wegwerfen von Gegenständen recht wenig zu tun. Fragt man dann einen Hundehalter ob er mit seinem Hund spielt, erhält man häufig Antworten wie „Ja, das haben wir probiert, aber er rennt nur hin, schnuppert und dann ist es ihm zu doof.“ Verwunderlich? Ich finde nicht. Die meisten Hunde finden es erstmal super einem Objekt hinterher zu rennen, da sie mehr oder weniger stark auf Bewegungsreize reagieren. Ist das Ding dann irgendwo gelandet und man hat es kurz abgecheckt, ist die Luft aber meist auch schon raus. Möchte man also, dass sein Hund apportiert, ist das eine andere Geschichte, die man sinnvoll erarbeiten kann, wenn der Hund daran Spaß hat und die mehr ist als irgendwelche Gegenstände in die Walachei zu katapultieren. Das ist dann aber Arbeit und kein Spiel.

Um es etwas deutlicher zu machen nenne ich das Ganze mal Sozialspiel, denn ein Spiel unter Hunden hat immer eine soziale Komponente. Man rangelt, man jagt sich, man kämpft um ein Objekt, man spielt miteinander und interagiert. Zudem ist ein ausgeglichenes Spiel durch wechselnde Rollen gekennzeichnet. Ich denke jeder hat seinen Hund schonmal im Spiel mit einem anderen Vierbeiner beobachtet, wir wissen doch also alle ziemlich genau wie so ein Spiel aussieht. Und trotzdem erscheint beim Wort „Spiel“ sofort irgendein Wurfobjekt vor unserem geistigen Auge. Dabei können wir letztendlich genauso mit unserem Hund spielen wie es sein vierbeiniger Kumpel machen würde. Wir können uns anpirschen und Spannung erzeugen, verharren und Blickkontakt suchen, antäuschen und schließlich vom Hund wegrennen, sodass er uns fangen kann, dann entsteht vielleicht ein kurzes körperbetontes Spiel, bei dem man je nach Hundetyp auch mal ein bisschen schubsen und kneifen kann, ehe man wieder ansetzt und schließlich der Hund der Gejagte ist.

Natürlich kann man durchaus auch mit dem Lieblingsspielzeug seines Hundes spielen, aber dann doch bitte mit etwas mehr persönlicher Hingabe als das ewige Wegwerfen. Auch mit einem Zergel kann man wunderbar spielen und ja, natürlich darf der Hund bei einem Zerrspiel auch gewinnen. Stellt euch vor ihr trefft euch mit Freunden zum Spieleabend und eure Mitspieler manipulieren das Spiel jedesmal so, dass ihr verliert. Irgendwann ist man gefrustet und will nicht mehr mitspielen. Unseren Hunden geht es nicht anders. Also – lasst eure Hunde auch mal gewinnen und staunt, wenn sie voller Stolz ihre Beute präsentieren!

Wichtig bei jedem Spiel sind natürlich Spielregeln. Für den Hund, aber auch für uns. Dazu gehört vor allem beim Zerrspiel, dass ich auf Augenhöhe mit dem Hund spiele und das Zergel nicht senkrecht nach oben ziehe um die Hals- und Nackenmuskulatur nicht zu überstrecken. Des weiteren ziehe ich den Hund dabei nicht an seinem Spielzeug hinter mir her, vielmehr zieht der Hund mich. Ich bringe durch seitliche Bewegungen Dynamik in die Beute, gehe dem Hund aber Schritt für Schritt nach, wenn er sich richtig anstrengt und gebe mich dann auch mal geschlagen. Andererseits kann ich das Spiel jederzeit unterbrechen und kann hier ganz variabel sein – mal geht das Spiel nach einem „Aus!“ augenblicklich weiter, mal folgt ein „Platz!“ und ich beschäftige mich ein Weilchen mit der Beute, während der Hund sich in Beherrschung übt. Auch beim objektfreien Spiel ist es wichtig, dass der Hund sich jederzeit regulieren lässt. Bei besonders ungestümen Kandidaten wird dann schnell mal in die Arme geknapst und ziemlich wüst gerempelt. Ist dies der Fall, werde ich nicht hektisch und fange auch nicht an zu schimpfen, ich verändere einfach meine Körpersprache, indem ich passiv und entspannt bin. Entspannt der Hund sich daraufhin ebenfalls, kann das Spiel weitergehen. Ist dies nicht der Fall, setze ich auch mal körpersprachlich ruhig, aber bestimmt eine Grenze und gönne uns eine längere Pause.

Richtiges spielen ist kein Hexenwerk und macht sogar Spaß. Man macht etwas gemeinsam und der Hund lernt, dass man mit den Zweibeinern ja auch mal die Sau raus lassen kann. Schließlich sind wir doch Sozialpartner Nummer Eins für unseren Hund, wieso also die schönen Dinge immer anderen überlassen und sich selbst zum Buhmann degradieren, der immer nur herum kommandiert?

Aber Achtung: es ist könnte unter Umständen anstrengend sein :-)

 

 

 

2 Kommentare

  1. Alles super erklärt und genau richtig. Nur das AUS und Platz solltest du weglassen denn Kommandos haben im Spiel nichts zu suchen das geht auch anders. Schau mal die DVD mit Thomas Juhe. Dort siehst du wie man wortlos ein AUS herbeibringt.

    1. Maya's Frauchen sagt: Antworten

      Hallo Nicole,
      ich baue das „Aus“ auch wortlos auf, trotzdem kann man wie ich finde durchaus etwas Abwechslung in ein objektbezogenes Spiel bringen, indem man kleine Aufgaben miteinbezieht und dem ganzen somit einen Trainingsaspekt verleiht. Alles kann, nichts muss und ich finde es schade, wenn Leute nur ihre Ansicht als einzig richtige empfinden und alles andere als falsch abstempeln. Du siehst das offensichtlich anders – so hat eben jeder seine Meinung ;-)

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