Redest du mit mir?!

Manchmal machen wir es uns und vor allem unseren Hunden im gemeinsamen Alltag unnötig schwer. Eine Sache, die uns Menschen einfach liegt, ist nämlich beiläufig irgendwas vor uns hin zu quatschen. Und wenn wir mal darauf achten, passiert das doch auch im Umgang mit unseren Hunden nicht selten, zumindest habe ich mich schon des öfteren dabei ertappt. Wie schnell kommt mir ein „Mensch Berti, jetzt lass den Quatsch!“ oder ähnliches über die Lippen. Was hat Berti davon? Nichts. Lernt er dabei etwas? Nein. Denn diese Aussage hat streng genommen keinerlei Intention und wenn ich ehrlich bin folgt darauf auch keine Konsequenz. Berti lernt also höchstens, dass man Frauchen’s Gebrabbel nicht allzu ernst nehmen muss und sich ohne weiteres wichtigeren Dingen widmen kann. Wenn ich dann wirklich mal etwas von ihm möchte, wird es unter Umständen schwierig und ja, da wird man als Frauchen dann auch mal sauer und schon kippt die Stimmung und man wird unfair, weil man plötzlich etwas vom Hund verlangt, wo man ihm doch sonst suggeriert, dass derartige Ansprachen nicht ernst zu nehmen sind.

Nun ist diese Erkenntnis ja nichts Neues, dennoch habe ich selbst in letzter Zeit mal wieder sehr bewusst darauf geachtet und mir zunächst eine grundlegende Schweigepflicht verpasst. Wenn ich meine Hunde anspreche, sollte ich mir bereits vorher darüber im Klaren sein was ich eigentlich von ihnen möchte. Möchte ich nichts, Klappe halten. Nicht zu selten ruft man im Affekt den Namen des Hundes, der – könnte er sprechen – mit einem „was gibt’s“ um die Ecke käme, woraufhin ich kurz überlegen würde und ihn mit einem „nix“ wieder entließe. Nun stellt euch vor ihr habt einen Freund, der ständig euren Namen ruft. Sieht man ja nicht selten bei diversen Hundehaltern. Da wird dem Hund permanent sein Name an den Kopf geworfen: „Luna! Luna-Mausi! Luuuuna! LUNA! LUUUNAAA!!!!!“, ohne dass man mal in irgendeiner Form einen Wunsch äußern würde. Bei Hunden findet man das aber normal, die sollen ja auf ihren Namen hören. Wenn wir uns aber mal in Luna hineinversetzen, würden wir uns wohl auch fragen, was der Mensch denn nun will. „Luna! – ja? – Luna-Mausi! – was gibt’s, Frauchen? – Luuuuna! – jahaaa! – LUNA! – JA! – LUUUNAAA!!!!!! – WAS DENN, VERDAMMT?!“ Eigentlich kein Wunder, dass man da als Hund selektiv taub wird, oder?

Zunächst sollten wir uns also mal bewusst machen, was wir eigentlich von unserem Hund erwarten, wenn wir ihn ansprechen. Spreche ich meine Hunde mit Namen an, so erwarte ich eine Reaktion, kein Herankommen und keinen Purzelbaum, ich möchte lediglich, dass sie auf meine Ansprache reagieren. Wieso das Ganze? Sollte der Hund nicht auch auf ein „Sitz!“ reagieren, wenn es aus heiterem Himmel kommt? Theoretisch ja, jedoch erwarte ich von meinen Hunden nicht, dass sie permanent auf Sendung sind und aus meinen Worten immer das herausfiltern was gerade ihnen gelten könnte, wobei hier natürlich nicht zu vergessen ist, dass ich mit drei Hunden unterwegs bin. Wenn ich mit ein paar Leuten in der Stadt unterwegs bin, mich unterhalte und ein bisschen ins Schaufenster gucke und plötzlich einer aus der Gruppe von hinten ruft „komm mal her!“, dann werde ich weiterhin unbeirrt meiner Tätigkeit nachgehen obwohl ich durchaus verstanden habe, was er meint. Würde er mich jedoch mit Namen ansprechen, wäre die Sache klar. Verhalte ich mich ebenso meinen Hunden gegenüber, sorge ich für Klarheit und komme den Hunden ein stückweit auch entgegen, indem ich zunächst ihre Aufmerksamkeit fordere und erst anschließend ausdrücke was ich von ihnen möchte. Weiterhin spare ich mir ein Signal, wenn der Hund schon auf die namentliche Ansprache nicht reagiert, weil die Ablenkung gerade zu groß ist.

Habe ich seine Aufmerksamkeit, so folgt ein Signal wie Sitz oder Hier und kein komm mal her, Schatzl und wenn er doch nicht kommt, dann kommt er eben nicht. Nun ist gegen ein komm mal her, Schatzl ja grundsätzlich nichts einzuwenden, das Problem besteht vielmehr darin, dass eine solche Aussage auch für uns selbst nicht klar definiert ist. Wir möchten, dass der Hund zu uns kommt. Aber haben wir ihm das in dieser Weise beigebracht? Wohl kaum. Demnach können wir auch nicht verlangen, dass der Hund auf eine so lapidare Einladung reagiert, geschweige denn hätten wir das Recht unseren Wunsch letztendlich umzusetzen, indem wir den Hund beiholen oder gar sauer werden. Also lassen wir ihn eben weiter laufen, wenn er auf diese halbherzige Einladung nicht reagiert und schon haben wir dem Hund wieder wunderbar demonstriert, dass es absolut zu vernachlässigen ist, wenn der Mensch von hinten wiedermal Laute von sich gibt. Wer Zuverlässigkeit von seinem Hund erwartet, sollte zunächst einmal selbst zuverlässig und klar agieren. Das heißt, dass mein Anliegen für den Hund klar definiert ist und dass eine Konsequenz folgt, wenn der Hund meiner Bitte nicht nachkommt, obwohl er das Signal kennt und wahrgenommen hat. Fordere ich Kito also mit einem „Kito, Sitz!“ dazu auf seinen Hintern Richtung Boden zu bewegen und er schielt gelangweilt zu mir rüber und schnuffelt lieber am Grashalm, gehe ich hin und helfe ihm ins Sitz, indem ich ihm zum Beispiel auf den Hintern tippe. Möchte ich, dass Maya mit einem „Maya, Hier!“ zu mir kommt, sie hat mich offensichtlich wahrgenommen und entscheidet sich für etwas anderes, so gehe ich eben hin und hole sie über den Körper oder das Halsband zu der Stelle, an der ich sie haben wollte. Wir neigen oft dazu Dinge zu wiederholen, mit Nachdruck zu sagen oder laut zu werden, anstatt einfach zu handeln. So sind wir Menschen nunmal gestrickt, denn wir kommunizieren in erster Linie verbal. Dass das in der Hundeerziehung eher ein Klotz am Bein ist, muss ich wohl kaum erwähnen.

Wir tun also gut daran unsere Hunde nicht dauerhaft zu beschallen, akustische Signale klar zu vermitteln und ebenso deutlich zu äußern und sie vor allem auch umzusetzen, sollte der Hund das nicht für nötig halten. Andernfalls bringen wir unseren Hunden lediglich bei, dass wir uns ohnehin wiederholen, das erste Kommando also keinen Wert hat, wir anschließend sauer werden und unseren Willen letztendlich nicht durchsetzen.

2 Kommentare

  1. Absolut genau so! Und immer wieder wichtig, sich daran zu erinnern, dass man als Mensch mehr kann, als rufen

  2. Ja, da haben wir es mal wieder, die Selbstdisziplin gehört auch zur Hundeausbildung und ist eine ganz schwere Aufgabe. Die Leine hat eben zwei Enden und beide sollten aufmerksam und feinfühlig aufeinander achten.

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