Im Ernst jetzt?!

Das war mein erster Gedanke als ich heute Morgen aus dem Fenster sah und die dicken Schneeflocken beäugte, die wie selbstverständlich vom Himmel rieselten. Als wäre es das Normalste auf der Welt. Als hätten wir gestern nicht bereits dreizehn Grad gehabt. Als hätte der Winter bislang keine Gelegenheit gehabt sich auszutoben. An Weihnachten zum Beispiel. Aber da wollte er ja nicht.

Nun wollte ich mich gerade an das eigentlich lästige Gefühl gewöhnen, wenn man feststellt, dass die Winterjacke eine Nummer zu warm ist, man auf dem Spaziergang ständig den Reißverschluss aufmacht und den Schal lockert um dann an schattigen Stellen schnell alles wieder winddicht zu verpacken. Bis dann wieder die Sonne auf der Nase kitzelt und man spontane Schweißausbrüche bekommt, kurzerhand beschließt die Jacke lieber auszuziehen um zehn Meter weiter dann doch zu frieren. Von diesem Gefühl war heute keine Spur.

Stattdessen griff ich zu meiner Skihose, die ich im Schnitt 0,7 Mal im Jahr nutze [aber auch nur um wie gewohnt auf allen Vieren oder auf dem Bauch robbend meinen Hunden mit der Kamera nachzustellen], hüllte die Kamera zum Schutz vor Nässe gekonnt in eine Mülltüte und wollte los. Maya nicht. Während Berti bereits durch den Garten flitzte als hätte er sein bisheriges Leben in einem Schuhkarton verbracht, rümpfte Madame nur angewidert die Nase und trottete zurück in Richtung Bett. Ein Stinkefinger in meine Richtung hätte der Szene das Krönchen aufgesetzt, aber soweit sind wir dann doch noch nicht. Ich stiefelte also hinterher, schob Madame zurück zur Tür und griff nach ihrem Mantel, den wir ja eigentlich bereits in die Sommerpause verabschiedet hatten. Obwohl wir einen Deal haben, der besagt, dass mit dem Mantel auch immer ein Keks kommt, ist Maya bislang nicht bereit eine tiefere Beziehung zu ihren Kleidungsstücken einzugehen. Gott sei Dank werden sie aber geduldet, wenn sie erstmal drin steckt.

Im Wald angekommen musste Madame dann nochmal ihre Unlust betonen, indem sie mit bulldoggenähnlich rudernden Beinbewegungen durch den eher matschigen Schnee watete, so als wolle sie eigentlich am liebsten ohne Bodenkontakt laufen. Obwohl sie das schon ziemlich lange versucht, ist es ihr bislang nicht gelungen. Vielleicht sollte sie sich mal mit Berti austauschen. Wenn einer sich mit nicht vorhandenem Bodenkontakt auskennt, dann der. Allerdings verbunden mit einer erheblich höheren Geschwindigkeit als sie Maya’s Wohlfühltrott vorsieht.

[Notiz am Rande: Aufgrund der eingepackten und somit schwer zugänglichen Kamera habe ich heute mit Halbautomatik fotografiert - und mich über die ein oder andere Verschlusszeit gewundert. Also beim nächsten Mal wieder alles manuell!]

Nachdem wir uns dann etwas warm gelaufen hatten [Berti schon wieder am Hecheln], wurde auch Maya allmählich etwas munterer und schien sich nach der knappen Hälfte des Weges an die Stirn zu klatschen: ACH SCHNEEEEE! Das war ja das lustige Zeug, das man fangen kann! Sag’s doch gleich! Hat sie das vom Mops? Dass sie für manche Sachen etwas länger braucht? Jedenfalls legte sie nach dieser glorreichen Feststellung mit vollem Elan den Spaß-Schalter um und flitzte durch den Schnee wie ein schwarz-pinker Blitz, ließ sich auf ein Spielchen mit Berti ein und fing den ein oder anderen Schneeball, den ich in die Luft warf.

Letztendlich sind Maya und ich heute Morgen wohl mit einer ähnlichen Stimmung aus dem Haus gegangen. Da können wir uns von den Herrschaften Bretonen noch ein bisschen was abgucken. Berti ist ohnehin das fröhlichste, kleine Hundekind, das ich kenne und für Kito ist die Welt in Ordnung, wenn er mit uns durch den Wald schlendern – manchmal auch flitzen – darf und möglichst viel von dem so tollen Geruch aufnehmen kann, den ich nie wahrnehmen und nie schätzen lernen werde. Und Maya lief am Ende wieder selig hinter mir her [übrigens der Grund, weshalb es von ihr meistens weniger Fotos gibt] und schien mit der Gesamtsituation nun doch recht zufrieden :-)

Und Morgen dann bitte einmal Frühling!

 

1 Kommentar

  1. Wie immer tolle Bilder, besonders das von Berti wo er so schief guckt.

    Ich hab auch so einen Schönwetter Hund. Regen…neee da geh ich nicht raus. Da kann ich ganz locker mal 12 Stunden nicht pipi machen. Und Schnee… also nein, da werden die Füsse nass. (Wir umrunden jede Pfütze) Geht gar nicht! Da kann das die andere noch so toll finden und bis über die Ohren drin versinken, Ich stelle mich Tod und geh nicht mehr raus…

Schreibe einen Kommentar