Spaziergänge im Krisengebiet – das Wort zum Freitag

Nach tagelangem Regen haben wir heute tatsächlich Sonnenschein und einen ziemlich blauen Himmel. Und ich wurde beim Spaziergang mit den Nasen prompt daran erinnert, dass die ruhigen Zeiten auf dem Feld nun erstmal wieder vorbei sind. Nein, ich spreche nicht von Spaziergängern, sondern von Hasen und erinnere mich zu dieser Zeit immer „gern“ zurück…an den Januar vor fünf Jahren, als Raketen-Maya mir den Schock meines Lebens bescherte und mit 200km/h einen Hasen über’s Feld hetzte und erwischte. Du bist doch viel zu klein dafür. Sieh nur, deine kurzen Beine. Mit einem Hasen hältst du niemals mit, haben sie gesagt. Und dann dachte sie sich man könne ja einfach mal das Gegenteil beweisen.

Heute auf dem Feld ließen die Langohren ihren Frühlingsgefühlen freien Lauf, tobten über die Wiesen und spielten Fangen oder was Hasen eben so machen. Bestimmt zehn, zwölf, fünfzehn Stück…Tendenz steigend, denn im Frühling und zum Sommer hin, bevor es so richtig heiß wird, liegt unser Schnitt bei etwa 30-40 Hasensichtungen am Tag. Und ich meine wirklich Hasen. Kaninchen sind was für Anfänger und werden von uns nur müde belächelt.

„Eine gute Tarnung ist die halbe Miete!“ – Umberto S. aus H., bekennender Hasenfreund.

Wie sehen also unsere Spaziergänge durch das Tretminenfeld aus? Variante eins: wir gehen in den Wald. Finde ich ohnehin schöner. Variante zwei: die Hunde bleiben in diesem Gebiet an der Leine.

Aber die hören doch so gut?! mag sich jetzt der ein oder andere denken.

Meiner Meinung nach besteht zwischen einem wohlerzogenen Hund und purem Leichtsinn in diesem Fall ein sehr schmaler Grat. Und ganz ehrlich. Drei jagdlich extrem ambitionierte Hunde frei laufen zu lassen, wenn rings um uns herum die Hasen Purzelbäume schlagen, finde ich zum einen etwas größenwahnsinnig und letztendlich einfach unverantwortlich. Ich spreche hier wohlgemerkt nicht von ein, zwei Hasen, die vielleicht irgendwo mal hochschießen, das ist für uns Alltag und gut handelbar. Nein, im Frühjahr ist das hier wirklich die Pest und man kann von Glück sprechen, wenn die Hunde nicht aus Versehen auf einen drauf treten.

Meine Hunde können vieles ertragen und haben gelernt mit Reizen umzugehen und eine gewisse Frustration zu tolerieren. Dennoch sind sie Lebewesen mit einem tief verwurzelten Instinkt und ich würde niemals meine Hand dafür ins Feuer legen, dass Hase Nummer 23 nicht vielleicht doch die Synapsen zum Schmelzen bringt und die Sache nach hinten los geht. Rücksicht auf Wild zählt nicht nur zur Brut- und Setzzeit und wir brechen uns keinen Zacken aus der Krone, wenn wir gewisse Strecken mit Leine absolvieren.

Aber die müssen doch rennen?!

Nein, müssen sie nicht, dazu haben sie an anderer Stelle Gelegenheit. Mit dieser Einstellung macht man es sich als Hundehalter natürlich sehr bequem, denn es kann durchaus anstrengend sein einen Jagdhund verhältnismäßig entspannt durch wildreiches Gebiet zu führen. Sei es, weil er einem den Arm auskugelt oder weil man sich bemüht ordentlich zu laufen, aber der Hund einfach nicht kapieren will, dass es Zurückhaltung ist, die gerade gefragt ist. Wenn meine Hunde an der Leine gehen, dann haben sie ordentlich, an durchhängender Leine neben oder sogar etwas hinter mir zu laufen. Ohne Ausnahmen. Und glaubt mir – das strengt mehr an als kopflos durch die Gegend zu rennen.

7 Kommentare

  1. Immer diese Trolls ey! Mach deine Hunde von der Leine! Du begrenzt die total – erst 3 Hundr anschaffen und sie dann nur an der Leine lassen. *tstststs*

    1. Jaja, da sagst du was, du Obertroll ;-)
      Die 10-20%, die sie mal an der Leine gehen müssen, wenn wir dort ins Feld gehen, bringen sie bald um. Die armen Hunde! Dürfen dabei noch nichtmal ziehen und müssen sich tatsächlich nach mir richten. Unfassbar.

  2. Genau richtig. Meine 3 Herrschaften bleiben auch an der Leine, wenn wir durch wildreiches Gebiet gehen. Hasen haben wir nur wenige, dafür um so mehr Rehe. Rennen können meine Hunde an anderen Stellen und ja, es ist sehr anstrengend meiner Jagdsetterina zu vermitteln, dass sie an der kurzen Leine nicht ziehen soll ;-)

    1. Ja, bei uns gibt es wildreiches Gebiet und wildreiches Gebiet :-) wir gehen ja sehr gern in den Wald und laufen eigentlich fast nur kleine, verworrene Trampelwege, auf denen man keine Spaziergänger, dafür aber gern mal Rehe oder Schwarzwild trifft. Dort riecht es auch extrem und ja, haben auch öfter mal Wildsichtungen. Aber das sind Dinge, mit denen wir im Alltag sehr gut umgehen können, auch ohne Leine.
      Allerdings, wie gesagt…in diesem Feld, wo du im Frühjahr von Hasen regelrecht umzingelt bist und dazu umgeben von Umgehungsstraße, A5 und ICE Strecke – muss man einfach kein unnötiges Risiko eingehen ;-)

  3. Du bist seit langem mal der erste was es bedeutet einen jagdlich amitionierten Hund zu haben! Ich kann mit dir mitfühlen (ich han selbst einen ehemlaigen Straßenhund der immer noch glaub sein essen selbst erbeuten zu müssen), ich lasse sie im Wald auch nicht laufen wegen der ganzen Gerüche, deswegen dürfen wir uns von Freunden auch immer ganz schön anhören. Aber ich steh vollkommen hinter dir, manchmal muss man Hunden einfach eine Grenze setzen! *thumbs up*

  4. Sasha von Holst sagt: Antworten

    Hallo Leute,
    ja natürlich bleibt mein Hund an der Strippe, wenn Wild unterwegs ist (hochträchtig oder Kitze usw. im Feld liegen oder Hasen ihren Spaß haben). Und das vor allem im Wald und zwar immer. Wo bitte schön ist das Problem? Und ja, er ist ausgelastet, obwohl Jagdhund. Und ja, natürlich habe ich eine Verantwortung für mein Tier, wer denn sonst? Und immer schön bedenken, DEIN HUND RIECHT MEHR, ALS DU SIEHST. Hundebesitzer haben auch anderen Tieren gegenüber respektvoll und tierlieb zu sein. Punkt.

  5. Es tut einfach so gut, das zu lesen. Manchmal zweifelt man schon selbst an sich wenn man dann so tolle Aussagen bekommt wie ganz oben.
    Ich sehe das ganz genau so. Meine Hunde können fast den lieben langen Tag machen was sie wollen, sind zusammen, dösen, rennen auch mal, aber wenns raus geht ist das eine Art Arbeit. Und die sind fertig hinterher. Volle Konzentration. Und ich leine selbstverständlich an wenns kritisch werden könnte, muss man doch nicht riskieren. Ich bin selbst Jagdscheininhaber. Und ich habs satt, dass Hunde trächtigem Wild nachhetzen. Passieren kann immer mal was, spreche ich mich auch nicht davon frei, aber wenn ich es dann noch provoziere! Und wir haben hier einige Jäger die nicht fackeln und sofort schiessen.

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