Mehrhundehaltung = Multitasking

Nachdem wir euch bereits erzählt haben wie unsere Anfangszeit mit Kito als Zweithund verlief [hier geht’s zu Teil 1 und Teil 2], möchten wir nun ein bisschen auf den ganz normalen Alltag mit mehreren Hunden eingehen. Das Ganze klingt nämlich meiner Meinung nach einfacher und harmonischer als es manchmal ist.

Ich habe das große Glück, dass meine Hunde sich nicht nur respektieren, sondern wirklich gern haben. Das erleichtert die Sache schonmal ungemein, möchte ich mir nicht wirklich ausmalen wie unser Alltag aussähe, wenn es täglich Stunk gäbe. Dafür habe ich mir mit der Auswahl der Hunde [eigentlich habe ich sie ja gar nicht ausgewählt, sondern vielmehr sie mich] ein paar mehr oder weniger große Steine in den Weg gelegt. Gemerkt habe ich das schon kurz nach Kito’s Einzug. Maya hielt ich zu diesem Zeitpunkt für recht gut erzogen, wir hatten schon viel trainiert und das Gröbste geschafft. Als ich mir dann Gedanken machte ob ich auch einem zweiten Jagdhund gerecht werden könnte, war ich mir sicher, dass wir das hinkriegen. Was ich in diesem Moment nicht wirklich auf dem Schirm hatte war, dass sich Maya’s Verhalten abrupt ändern würde.

Gib deinem Stöberhund einen Vorsteher an die Seite und dir wird nie wieder langweilig werden.

Jeder, der einen ernsthaft jagdlich ambitionierten Hund an seiner Seite hat, weiß dass Spaziergänge in erster Linie Auslastung für uns Menschen sind – Gehirnjogging wenn man’s so will. Entspannte Spaziergänge sind möglich, aber man muss auf zack sein. Immer. Zu hundert Prozent. Nun hat ja jeder Hund so sein Ding – das ist ja auch gut so, schließlich wurden sie alle irgendwann mal für eine bestimmte Aufgabe ausgewählt.

Maya ist da ganz pragmatisch veranlagt und hat in ihrem Jagdverhalten alles gestrichen was man ihrer Meinung nach nicht braucht. Dazu zählt vor allem anpirschen und vorstehen. Ihr optimierter Jagdablauf sieht also folgendermaßen aus: Wittern. Hetzen [wenn man erstmal unterwegs ist, wird man schon was finden]. Fertig. Das Hetzen ist für sie das allergrößte und wichtiger und selbstbelohnender als ein eventuelles Greifen der Beute. Zwischen „ich hab da was gerochen“ und „ich bin dann mal weg“ lag früher nur ein Bruchteil einer Sekunde und die Chancen Maya’s Verhalten in irgendeiner Form umzulenken standen eher schlecht.

Nun kam Kito als Vorstehhund dazu. Ein sehr ursprünglicher Hund, der das Jagen mit allen Facetten beherrscht. Die Nase rümpft, sich duckt, langsam pirscht und schließlich wie versteinert stehen bleibt. Der stöbert bis er die Beute gefunden hat und das hochgemachte Wild ausdauernd hetzt. Dass er Letzteres nicht darf, steht außer Frage – worauf ich aber hinauswill ist vielmehr das Vorstehen. Eine Eigenschaft, die ich mir im Training wunderbar zunutze machen kann, indem ich dem Hund vermittle, dass der Ansatz des Verharrens erwünscht ist und sich lohnt. Ja, so ein Bretone bleibt eben öfter mal am Wegrand stehen und glotzt angespannt in den Wald. Für mein inzwischen geschultes Auge ist dabei ganz klar ob er die Sache ernst meint oder ob es nur ein interessiertes Gucken ist. Für Maya dagegen hieß damals jedes noch so kleine Verharren von Kito:

AAAAATTACKEEEEEE!!!

Ist ja klar, Hunde sind nicht doof und wissen die Körpersprache ihrer Kollegen zu lesen. So war für Maya schnell klar: „Wenn der SO guckt, dann ist da was im Busch!“ Und dann gab es für sie kein Halten und kein Zögern. Sobald Kito stehen blieb und die Ohren spitzte, konnte ich Maya irgendwo aus dem Acker sammeln. Sie rannte völlig kopflos weg, einfach in der Hoffnung etwas zu finden. Dieses Verhalten wiederum hatte zur Folge, dass Kito nicht mehr ruhig stehen blieb, sondern sich von Maya’s Verhalten anstecken ließ und ebenfalls los zischte. Nachdem die Hunde raus hatten, dass dieses Verhalten für regelmäßige Adrenalinschübe sorgt, hatten sie auf dem Spaziergang bald nichts anderes mehr zu tun als ihre Umwelt und sich gegenseitig akribisch zu beobachten und lieber einmal zu oft in den Acker zu rennen als einmal zu wenig.

Erregungslevel = 100. Chaos = perfekt.

Neben Schleppleinentraining und einiges an Auslastung war meine Hauptaufgabe also Maya zu vermitteln, dass Kito’s Verharren ihr Signal ist zu mir zu kommen. Wäre das erstmal geschafft, könnte man auch Kito das Einspringen wieder abgewöhnen und das Verharren weiter fördern. Bis uns das gelungen ist, ist sicherlich ein Jahr vergangen, dafür klappt es heute wirklich zuverlässig. Wann immer Kito oder Berti etwas anzeigen, kommt Maya zu mir gezischt und erwartet eine Belohnung, die sie meist in Form eines fliegenden Kekses bekommt.

Betrachte ich das Ganze nun unter dem Aspekt der Mehrhundehaltung, geht es wohl vor allem darum das Potential jedes einzelnen Hundes zu erkennen, zu beobachten wie die Hunde sich gegenseitig einschätzen und jeweils Verhaltensketten zu knüpfen, was jeder Hund zu tun hat, wenn einer der anderen ein bestimmtes Verhalten zeigt. Somit ist Maya nun kein „Störfaktor“ mehr, wenn es darum geht das Verharren der Jungs zu festigen und inzwischen zeigt sie sogar selbst Tendenzen zum Vorstehen.

Ob unsere Spaziergänge inzwischen entspannt sind, liegt wohl im Auge des Betrachters. Für mich sind sie das, auf eine fordernde Weise. Denn natürlich ist bei drei Hunden auch mal Chaos angesagt. Nicht selten wird aus einem Lob für Maya ein:

Priiima-Maus-Berti-raus-da-Kito-hiiieer-Click-Maya-Apport!

Trotzdem sind unsere Spaziergänge inzwischen meines Erachtens sehr gut strukturiert, jeder weiß wann er gemeint ist und das beweist für mich doch eigentlich, dass unsere Trainingsstruktur aufgeht. Durch klare Kommunikation, vor allem körpersprachlich, kann ich kleinere Dinge problemlos in der Gruppe auf dem Spaziergang üben – ansonsten gilt natürlich immer:

Quality-Time ist gut und wichtig.

Einzelrunden sind nicht nur super um gewisse Dinge zu üben, sondern um den einzelnen Hund auch mal wirklich ganz allein wahrzunehmen, nur Augen für ihn zu haben. Ich kann manchmal selbst kaum glauben, was meine Hunde mir alles anbieten, wenn ich einzeln mit ihnen gehe, sodass meine Gedanken häufig in die Richtung abschweifen wie einfach und entspannt es wohl mit einem Hund wäre. Ja, meine Hunde und ich schätzen diese Einzelrunden sehr. Erholung pur. Balsam für die Seele. So sehr sie ihre Kumpels mögen und es natürlich toll finden gemeinsam über Wiesen zu wetzen, so sehr mögen sie es eben, wenn sie meine volle, ungeteilte Aufmerksamkeit haben. So weichen sie mir manchmal kaum von der Seite und haben stets dieses glückliche, bedingungslose Strahlen im Gesicht. Und anschließend freuen wir uns dann doch wieder auf unser kleines, liebenswert-chaotisches „Rudel“.

2 Kommentare

  1. Ja, das kommt mir bekannt vor. Wir haben zwei Vizslas, beide jagdlich auf andere Weise ambitioniert. Der eine findet Wild toll (steht kaum vor), der andere alles was Flügel hat (steht oft vor, was auch belohnt wird). Die Hochwitterung des einen ist das Signal für den anderen. Wir arbeiten daran!

  2. Schöner Artikel, der mir den Eindruck gibt Du hast das Chaos mit Struktur, Konsequentem Training und viele Liebe im Griff! Super!

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