Der perfekte Hund

„Bestimmt sind deine Hunde PERFEKT!“ – dazu leuchtende Augen und ein Strahlen im Gesicht, das sowohl Neid als auch Bewunderung ausstrahlt. Und das alles ohne mich und meine Hunde näher zu kennen. Dennoch begegnen mir Situationen wie diese in meinem Alltag als Hundetrainerin immer häufiger. Ein Hundetrainer-Hund muss einfach perfekt sein, wie sollte es anders sein?!

Nein, meine Hunde sind nicht perfekt. Ich bin es auch nicht – wie vermessen wäre es selbiges von meinen Hunden zu erwarten? Meine Hunde sind wie alle anderen Hunde auch Lebewesen mit einem eigenen Willen, Vorlieben und Abneigungen. Meine Hunde schlafen im Bett, auch wenn ich davon Rückenschmerzen bekomme. Meine Hunde bellen, wenn es an der Tür klingelt. Sie wickeln mich mit schmachtenden Blicken um die Pfote, obwohl ich es eigentlich besser weiß. Sie werfen mir verschmitzte Blicke zu, wenn ich sie rufe und schnuffeln weiter am Grashalm der Begierde. Es gibt Situationen, in denen der Hundetrainer in mir mahnend den Zeigefinger hebt und ich mir trotzdem denke „ach komm…egal!“. Manchmal möchte auch ich alle Fünfe gerade sein lassen, den Mensch Mensch und den Hund Hund sein lassen.

Und doch sind meine Hunde perfekt. Das sind sie für mich. Dazu bedarf es keinem Kadavergehorsam und keiner besonders großen Bandbreite an Tricks. Unsere gemeinsame Zeit ist ohnehin viel zu kurz. Wenn wir sie jetzt nicht leben und genießen, wann dann? Irgendwann wird der Tag kommen, an dem sich unsere Wege trennen. An diesem Tag möchte zurückblicken auf eine Zeit, in der wir jeden Moment genossen haben, in der wir die richtigen Prioritäten gesetzt haben.

Wenn ich abends auf der Couch liege, Kito seinen Kopf auf meine Schulter legt und mir zufrieden ins Ohr schnauft, Berti sich so ungünstig über meine Beine legt, dass ich mich nicht mehr bewegen kann und Maya solange die Decke anstupst bis ich sie hochhebe und sie drunter schlupfen kann, dann ist die Welt für mich in Ordnung. Und das ist sie auch für meine Hunde. Dann ist es perfekt.

4 Kommentare

  1. „Unsere gemeinsame Zeit ist ohnehin viel zu kurz. Wenn wir sie jetzt nicht leben und genießen, wann dann? Irgendwann wird der Tag kommen, an dem sich unsere Wege trennen. An diesem Tag möchte zurückblicken auf eine Zeit, in der wir jeden Moment genossen haben, in der wir die richtigen Prioritäten gesetzt haben.“

    Liebe Cosi,
    Das ist wunderbar, bzw. ‚perfekt‘ formuliert. Meines Erachtens. Ganz toll.
    Da ich bereits einen Hund verloren habe, den ich sehr lieb(t)e und der mich vom 22sten bis zum 35sten Lebensjahr begleitete, habe ich stark verinnerlicht (wie Licht im Inneren…), dass jede Minute mit dem Hundetier so kostbar und bereichernd und die gemeinsame Zeit so begrenzt ist. Und ich deshalb Jamalles Attacken im ‚illegalen-Unfug-Treiben‘ und all das andere sog. Unperfekte, als das sehen möchte, was es ist. Schlicht u ergreifend die interessante Realität mit meinem Bretoni, der ja so gerne alles richtig machen möchte und auch würde, wenn da nicht hie & da die Verlockung zu groß wäre… Oder ich nicht zu unklar wäre oder oder.
    Und wenn er dann also doch der Katze nachdüst und den Erzfeind-Boxer angeleint anprollt, als gäbs kein Morgen u ich zwangsläufig rüberkomme wie die letzte Idiotin, die ihren Agro-Jagd-Hund nicht im Griff hat, dann denke ich oft an meinen Gandhi-Lou (voriger Hund) und spüre diesen übergroßen Verlust, der sich unaufhaltbar wiederholen wird. Naja, das verjagt meinen Ärger oder die aufsteigende Wut darüber, das Jamalle Mist macht, es führt mich vielmehr zurück zu dem, was mir wirklich wichtig ist. Ich möchte alle Zeit mit Mallo genießen, auch wenn er dermaßen unperfekt rüberkommen kann und mich in mancherlei Hinsicht permanent fordert.
    Die gemeinsame Zeit u das gemeinsame Erleben ist zu kurz, um immer nur dem Anspruch des perfekten Hundes hinterherzueifern. Grob gesagt.
    Wahrscheinlich hab ich gut Reden, denn ich bin keine Hundetrainerin.
    Für mich ist diese Voraussetzung Anderer, dass deine Hunde perfekt vorbildlich sein müssen, einfach nur albern. Mich würde das total nerven! Schon das Wort „perfekt“ sollte vermieden werden, wenns um Tiere (oder Menschen) geht. Schließlich sinds Lebewesen. „Perfekt“ verbinde ich eher mit Essen o.ä.
    Trotzdem hab ich einen recht hohen Anspruch an mich u auch an Jamalle, das hat aber nix zu tun mit Hinterhereifern erdachter Ideale, um dann evtl in 6Jahren zufrieden u glücklich sein zu können mit Jamalle u dem Ergebnis. Wir sind jetzt glücklich. Herrlich unperfekt, aber glücklich. Und trotzdem im permanenten Lernprozess. Nein, dieser Anspruch gefällt mir einfach und macht Spaß. Bringt Spaß. ich liebe es, mir neue Methoden auszudenken und dann mit Bretoni daran zu arbeiten. Auf ganz eigene Art.
    Aber natürlich gibts hier nen anspruchsvollen Grundanspruch, der konsequent dazugehört, um überhaupt als ‚alltagstauglich‘ zu gelten und um unser gemeinsames Leben zu erleichtern.
    Das Bedeutendste ist aber, dass ich Jamalle an meiner Seite habe, ihn erleben u erkennen darf, er mir bedingungsloses Vertrauen schenken kann und ich trotz allen Unfugs alle Zeit mit ihm schätze.
    Perfekt und Imperfekt interessiert hier nicht. Wir leben im Präsens…
    Danke dir für den schönen Text!
    Und,
    Sei lieb gegrüßt und goodgood night*

    1. Vielen Dank liebe Angie, das hast du wirklich schön geschrieben und nochmal auf den Punkt gebracht. <3

  2. Danke! Du bist Hundetrainerin! Puh.. ehrlich, ich hatte vorher andere Artikel von Dir gelesen und dachte nur wie perfekt und konsequent Du Deine Hunde erzogen und trainiert hast und dass ich wohl sofort noch eine Trainingseinheit einlegen sollte und angefangen mich zu schämen weil Lilly mit 17 Monaten immer noch häufig an der Leine zieht und die darum verstellbar und schwer und stabil sein muss um 28 KG zu halten.. *erleichterung* ..und Hoffnung auf Tipps zur Leinenführung! ;)

    1. Hihi, jetzt musste ich schmunzeln! Wir sind auch nicht perfekt ;-)
      Vermutlich ist mein rechter Arm dank Berti im ersten Jahr mit ihm um einige Zentimeter länger geworden. Und ja, ich bin auch schon im Dreck gelandet, wenn er in die Schleppleine gedampft ist. So ist das nunmal mit einem jungen Hund oder mit einem, der noch nie im Leben Erziehung und Führung erfahren durfte. Mach dich bloß nicht verrückt. Das habe ich früher viel zu oft gemacht und dadurch vor allem mir gegenüber einen wahnsinnigen Druck aufgebaut. Davon hat keiner was, also nehmt euch die Zeit die ihr braucht.
      Und zum Thema Leinenrührigkeit wird es sicher auch nochmal was geben ;-)

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