Wenn sich zwei streiten…

…sieht man vor lauter Steinen den Wald nicht mehr. Hä?! denkt ihr jetzt. Zurecht. Also fangen wir mal von vorne an.

Wenn wir etwas nicht mögen, dann ist das Tag für Tag die gleiche Strecke zu laufen. Wir entdecken gern Neues und zum Glück ist unser Frauchen uns da ähnlich und hat nach zwei, drei Besuchen eines Spaziergebiets schnell die Nase voll davon. Das führt unweigerlich dazu, dass das Frauchen morgens manchmal ein bisschen länger braucht um in die Pötte zu kommen, weil sie sich nicht entscheiden kann. Heute war sie besonders entscheidungsunfreudig – Wald Nummer 1? Nein, da waren wir vorgestern. Stallrevier? Gestern. Feld? Vorvorgestern. Wald Nummer 2? Letzte Woche. Neckar? Keine Lust. Hmpf. Also wurde gegrübelt und gegrübelt bis das Frauchen uns schliesslich ins Auto packte und wir uns nach etwa dreißigminütiger Fahrt vor einem riesigen Haufen Steinen wiederfanden. Also wirklich riesig!

Das Frauchen sagt, das Ding heißt Felsenmeer. Es hatte zwar so gar nichts mit dem Meer zu tun, das wir bislang kannten, aber was soll’s. Wenn sie meint, lassen wir sie mal in dem Glauben, dass sie Recht hat. Noch unglaubwürdiger wurde es aber als das Frauchen dann erzählte wie die vielen Felsen in den Wald kommen. Dort gab es nämlich früher mal zwei Riesen. Einer wohnte auf dem Felsberg und der andere auf dem Hohenstein. Aus irgendwelchen Gründen hatten die Riesen wohl einen heftigen Streit und fingen an sich mit Felsbrocken zu bewerfen. Ziemlich kindisch, wenn ihr mich fragt. Nachdem einem der Beiden irgendwann die Munition ausging, wurde er unter den riesigen Steinen begraben. Dumm gelaufen, würde ich sagen. Angeblich hört man ihn heute manchmal noch unter den Felsen brüllen. Heute war er aber still.

Mit einem Donnerstagvormittag bei eher bescheidenem Wetter hatten wir scheinbar nicht den schlechtesten Tag für einen solchen Ausflug gewählt, ist unser Frauchen doch ein bisschen menschenscheu. Natürlich waren ein paar Leute und Familien mit Kindern unterwegs, aber es hielt sich in Grenzen, sodass ich ziemlich viel frei laufen durfte und einen riesigen Spaß hatte von Fels zu Fels zu hüpfen. Anders als die meistens Zweibeiner sind wir aber nicht den geraden Weg nach oben über die Felsen gekraxelt, sondern haben die Wege genutzt, die direkt seitlich am Felsenmeer entlang führen. Das Frauchen meinte die Gefahr, dass wir zwischen die Felsen rutschen und nicht mehr raus kommen wäre zu groß. Trotzdem haben wir von unserem Seitenweg immer mal wieder die Felsen gekreuzt und durften unter Frauchens Aufsicht ein bisschen klettern. Ich konnte kaum genug davon kriegen, sodass das Frauchen mich irgendwann dort weg holen musste wie ein kleines Kind vom Abenteuerspielplatz. Was die Bretonen angeht – die blieben an der Leine. Das Frauchen war nämlich clever und hat sich ihren Hüftgurt vom Canicross und dem Berti sein Safety-Geschirr angezogen und somit gab es für die Beiden ein bisschen Zugtraining. Da der Kito mit fremden Menschen so seine Probleme hat, die uns immer mal wieder – vorzugsweise mit nach vorn gebeugtem Oberkörper, leichtem Keuchen und wankendem Gang – entgegen kamen, blieb er sicherheitshalber auch die meiste Zeit an der Leine.

Der Anstieg war recht steil und das Frauchen musste sich ganz schön anstrengen um mit dem Berti mitzuhalten. Interessanter wurde es aber als wir irgendwann den Rückweg antraten. Als wir irgendwann ganz oben standen und auf das Felsenmeer hinabblickten, wurde dem Frauchen nämlich bewusst, dass wir das ganze Stück ja auch irgendwie wieder runter mussten. Und auch wenn bergauf natürlich anstrengend ist, so ist ein Bergab-Marsch definitiv nichts für schwache Nerven Knie – erstrecht nicht mit einem hochmotivierten Bretonen an der Leine, dem es gar nicht schnell genug gehen kann. Bei besonders kraxeligen Felspassagen musste der Berti aus Sicherheitsgründen also hinter dem Frauchen bleiben, während sie den restlichen Weg nach unten tatsächlich heil gemeistert haben.

Zurück Zuhause sind wir sofort [nach einer Portion Hühnerherzen] in einen komatösen Tiefschlaf gefallen und träumen nun von Felsen…und Riesen.

 

 

1 Kommentar

  1. Woher hast du die Geschirre von deinen Hunden? :)

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