Mehrhundehaltung – Fluch oder Segen?

Ein Zweithund ist sicher für viele Hundehalter ein Thema, doch häufig überwiegt die Unsicherheit und viele Fragen, auf die man keine Antwort weiss. Da ich im Laufe der Jahre mit meinen inzwischen drei Hunden viele Erfahrungen machen durfte, möchte ich euch gern einen Einblick geben, ein paar Anregungen zum Thema Mehrhundehaltung, aber euch vor allem auch unsere persönliche Geschichte erzählen, die nicht immer rosig war. Mit mehreren Hunden zusammen zu leben ist toll, aber es gibt nunmal auch Schattenseiten. Mit dieser kleinen Artikel-Serie nehmen wir euch also mit, beleuchten verschiedene Aspekte, die es zu beachten gilt und geben euch einen Einblick in unser „Rudel-Leben“.

Die Vorstellung mit einem „kleinen Rudel“ zusammen zu leben klingt für die meisten Menschen wohl erstmal ganz toll. Was sind wohl die Gedanken, die Menschen dazu bewegen, sich einen Zweithund anzuschaffen? Ist ein Hund nicht genug? Ehrlichgesagt kann ich diese Frage selbst nicht so wirklich beantworten. Ich persönlich habe mir in unserem Alltag mehr Action gewünscht – die ich auch bekommen habe, und davon nicht zu wenig. Ich wollte „mehr Hund“, mehr Facetten kennenlernen, eine neue Herausforderung. Natürlich kommen dann noch diverse Traumvorstellungen ins Spiel. Der Hund soll einen Freund bekommen, mit dem er kuschelt und spielt, er muss nicht mehr alleine sein und im Idealfall beschäftigen sich die Hunde so toll miteinander, dass man selbst ein wenig entlastet ist.

Letzteres ist natürlich nicht meine Meinung, aber ihr werdet mir zustimmen, dass es einige Leute gibt, die sich aus genau diesem Grund einen zweiten Hund angeschafft haben. Weil sie erwarten, dass sich dadurch die Probleme mit dem Ersthund im Idealfall in Luft auflösen. Diesen Zahn kann ich euch direkt ziehen. Ein Zweithund bedeutet nicht weniger Arbeit, weil die Hunde sich schon gegenseitig müde bekommen. Es beutetet mindestens doppelt so viel Arbeit, sofern man mit seinen Hunden einen entspannten Alltag leben möchte (Ausnahmen bestätigen die Regel). Mindestens, weil sich bereits bestehende Probleme potentiell erstmal verschlimmern werden, wenn plötzlich ein zweiter Hund hinzu kommt und man seine Aufmerksamkeit nun teilen muss. Doch dazu ein andermal mehr.

Was sollte man nun beachten, wenn man über einen Zweithund nachdenkt? Meiner Meinung nach steht an erster Stelle der Hund, der bereits im Haus lebt. Mag mein Hund andere Hunde? Schätzt er ihre Gesellschaft? Ist er besonders eifersüchtig oder besitzergreifend? Nicht zu vergessen ist auch der Ausbildungsstand. Wenn der Grundgehorsam sitzt, kann ich mich besser auf den Neuzugang konzentrieren. Ist der erste Hund noch eine kleine Baustelle, ist das Chaos vorprogrammiert.

Wie steht es mit mir – bin ich in der Lage mich ausreichend mit zwei Hunden zu beschäftigen? Dazu gehört, dass ich besonders am Anfang auch mal einzeln mit den Hunden spazieren gehe. Außerdem braucht ein neuer Hund je nach Alter und Ausbildungsstand zunächst etwas mehr Zeit und Aufmerksamkeit um sich gut in den neuen Alltag zu integrieren.

Ein einzelner Hund ist meist recht einfach unterzubringen, wenn man arbeiten muss oder vielleicht mal in den Urlaub fährt. Habe ich jemanden, der im Notfall auch auf zwei Hunde aufpasst?

Hat man nun gründlich abgewägt und sich für einen Zweithund entschieden, ist die Frage welcher Hund am besten zu einem passt. Mir persönlich war es wichtig, dass es vor allem für Maya passt. Somit kamen von vornherein nur Hunde in Frage, die wir besuchen konnten um zu sehen wie die Beiden miteinander klar kamen. Kandidat Nummer Eins war ein Bretonen-Mischling aus dem Tierschutz. Kurzes Fell, lange Rute, braune Punkte, etwas größer als Maya. Ein aufgeweckter, lustiger Kerl. Klang für mich erstmal so als würden die Beiden bestimmt gut miteinander klar kommen. Wie sich beim Kennenlernen auf der Pflegestelle herausstellte, waren Maya und er sich typmäßig aber schlichtweg zu ähnlich. Der junge Rüde war wuselig, aufgedreht und bellte in einer Tour, sodass sogar Maya bald die Nase voll hatte und für uns sofort feststand, dass das nichts werden würde. Sicherlich wären die Hunde miteinander klar gekommen – aber zwei von der Sorte? Auf keinen Fall!

Die Suche ging also weiter und irgendwie spukte mir immernoch der Bretone im Kopf herum. Ich kannte diese Rasse zuvor wie viele anderen nicht, informierte mich gründlich und durchsuchte schliesslich das Internet nach Bretonen. Da Jagdhunde im Tierschutz generell meist eher schlechte Karten haben, wurde ich auch prompt fündig und geradezu überhäuft mit Bretonen, die ein Zuhause suchten. Nun ist da zum einen der Kennenlern-Aspekt, zum anderen die Tatsache, dass ich es nicht sonderlich sinnvoll finde Hunde auf gut Glück nach Deutschland zu karren – deshalb kam auch hier nur ein Hund in Frage, der bereits in Deutschland ist und auf sein eigenes Körbchen wartet. So fanden wir Kito – misshandelt, traumatisiert, verletzt, bereits vermittelt, wieder zurück gegeben – ein scheinbar hoffnungsloser Fall, in den wir uns hoffnungslos verliebten und ihn kurze Zeit später nach Hause holten.

Maya und er waren von Anfang an ein Herz und eine Seele und ich bin mir sicher, dass Kito heute nicht der Hund wäre, der er ist, wäre sie nicht an seiner Seite gewesen. Alles andere jedoch traf uns wie ein Schlag ins Gesicht. Alle schönen Vorstellungen waren erstmal dahin. Ich glaubte zu wissen worauf ich mich einließ. Dass er aufgrund seiner Geschichte vielleicht etwas mehr Zeit braucht um sich einzugewöhnen. Dass wir an seinem Jagdtrieb arbeiten müssen. Doch im Grunde hatte ich keine Ahnung.

Der Jagdtrieb trat erstmal in den Hintergrund, zu groß waren die anderen Probleme. Kito war das reinste Nervenbündel. Er schreckte nachts hoch und rannte panisch bellend durch die Wohnung. Kam das Herrchen abends nach Hause, verkroch er sich in die letzte Ecke, knurrte und bellte und machte unter sich. An Besuch war gar nicht zu denken. Draußen wurde jeder Mann am Horizont fixiert und angeknurrt, bei kleinerer Distanz entschied Kito sich jedoch für den Rückzug und versteckte sich lieber hinter mir. Jedoch gab es auch Situationen, in denen er offensichtlich keinen anderen Ausweg sah und zuschnappte. Ich, ahnungslos, hatte damit überhaupt nicht gerechnet und so erwischte Kito das ein oder andere Hosenbein von Passanten, einen Fahrradreifen und versuchte an der Straße Autos nachzujagen. Ich hatte absolut keinen Plan, wie wir das hinbekommen sollten, wie ich dieser kaputten Seele die Angst nehmen konnte. Doch aufgeben war keine Alternative. Und es gab sie, diese kleinen Lichtblicke. Wenn er draußen ganz vertieft auf seiner kleinen Jagd-Wolke schwebte und irgendwie durchatmete. Wenn er nach dem Spaziergang dicht an Maya gekuschelt mal für ein Stündchen friedlich schlafen konnte.

Kito forderte von der ersten Minute an meine vollste Aufmerksamkeit und all meine Nerven. Sicher war ich mir der Tatsache bewusst, dass wir uns nicht das leichteste Modell eines Zweithundes ausgesucht hatten – aber ich muss zugeben, dass ich damit in diesem Ausmaß nicht gerechnet hatte und einfach überfordert war. Egal wie gründlich man den Hund aussucht, wie sehr man auch abwägt ob es passt oder nicht – Hunde sind immer für eine Überraschung gut. Dies ist beim Ersthund natürlich nicht anders, fällt bei einem zweiten oder dritten aber nochmal stärker ins Gewicht und sollte deshalb unbedingt bedacht werden.

 

…Fortsetzung folgt.

 

1 Kommentar

  1. Schöner Bericht! :-)
    Wir hatten bis Anfang des Jahres auch noch einen 2.Hund der leider verstorben ist.
    Schnell war klar, Finn wird irgendwann wieder einen „Spielgefähren“ bekommen !
    Da ich aber nun gerade eine Hundetrainerausbildung mache und meine Zeit mit Finn gerade deshalb sehr knapp bemessen ist, wird es mit dem 2. Hund erst nächstes Jahr. Da ist Finn 5 Jahre alt und ich ausgebildet :-)
    Wir wünschen Eurem Rudel eine schöne Woche
    Liebste Grüße
    Lisa & Finn

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