Hallo Schleppleine – ein Einblick in unser tägliches Training

Frühlingszeit ist Schleppleinenzeit. Denn nicht nur die Natur erwacht aus ihrem Winterschlaf, auch unsere lieben Häschen, Rehe & Co. sind wieder vermehrt in Wald und Flur anzutreffen. Doch leider ist die Brut- und Setzzeit immernoch erschreckend wenigen Hundehaltern ein Begriff und ein Großteil der Hunde darf – wie das restliche Jahr auch- machen was er will. Rennt der Hund halt mal einem Hase hinterher, was soll’s?! Solang keine Straße in der Nähe ist, kann doch nichts passieren.

Meine Ansicht ist da etwas anders. Wir sind in der Natur zu Gast und sollten uns auch entsprechend verhalten. Dies gilt natürlich nicht nur während der Brut- und Setzzeit, sondern das ganze Jahr über. Da man nun aber beim täglichen Feldspaziergang wieder vermehrt über Hasen stolpert und es aus allen Büschen gackert und fiepst, ist auch bei uns die Schleppleine angesagt. Dies sehe ich nicht als Last, sondern als willkommene Gelegenheit unser Training ein wenig aufzufrischen, Gelerntes zu festigen und unter Absicherung der Schleppleine auf erhöhtem Reizlevel zu trainieren.

Aber wie sieht der Alltag mit Schleppleine aus? Was gibt es zu beachten und wie macht das Training Sinn? Wir geben euch heute einen kleinen Einblick in unser tägliches Training mit der Schleppleine.

Schleppleine: immer am Geschirr!

Um Verletzungen zu vermeiden, sollte eine Schleppleine grundsätzlich immer an einem gut sitzenden Brustgeschirr befestigt sein. Aber wann sitzt ein Geschirr eigentlich richtig? Hierzu gibt es ein paar simple Richtlinien:

  1. Die Schulterblätter sollten vom Geschirr nicht beeinträchtigt werden und in der Rotation frei beweglich sein.
  2. Hinter den Vorderbeinen sollte je nach Größe des Hundes etwa eine Handbreit Platz sein. Liegt der Gurt zu dicht an, kneift er beim Laufen.
  3. Der Bruststeg sollte vorn auch bei Zug noch auf dem Brustbein aufliegen. Liegt er zu hoch, geht der Zug auf den empfindlichen Halsbereich und das Geschirr verfehlt seine Wirkung.

Hat man das passende Geschirr gefunden, kann es los gehen. Doch auch bei den Schleppleinen gibt es inzwischen eine riesige Auswahl. Ob dünne Feldleine, Nylonleine, gummierte Schleppleine oder Biothane-Leine – es gibt sie in allen Variationen.

Welche Schleppleine ist die richtige?

Bisher waren Schleppleinen aus Biothane unsere erste Wahl – schlicht, hochwertig, gut zu handhaben und (besonders im Winter äußerst angenehm) sie saugt sich nicht voll. Da wir nun eine längere Schleppleine brauchten, fiel unsere Wahl auf eine gummierte Zehn-Meter-Leine in knalligem Grün. Wo wir auch schon beim nächsten Punkt wären: wie lang sollte eine Schleppleine sein? Meines Erachtens sind fünf bis zehn Meter absolut ausreichend und vor allem vom Handling her am angenehmsten. Denn je länger die Schleppleine, umso mehr Anlauf hat der Hund und, ob groß oder klein, wenn der Hund auf zwanzig Meter voll beschleunigt endet das für uns bestenfalls im Acker. Hat der Hund dann nicht zu wenig Auslauf? Maya und Kito waren etwas über ein Jahr ausschließlich an Fünf-Meter-Leinen unterwegs. Sie leben noch, sind nicht verfettet und leiden nicht unter Muskelschwund. Sofern man unter Auslauf also etwas anderes versteht als den Hund auf fünfzig Meter Entfernung durch den Acker pflügen zu lassen, reicht das dicke!

Also, Schleppleine dran und fertig ist der Trainingsplan? Nicht ganz. Wie oft hört man den Spruch „Schleppleinen-Training haben wir auch schon gemacht, das hat überhaupt nichts gebracht“. Wie vieles in der Hundeausbildung ist auch die Schleppleine kein Zaubermittel. Genauso wie es nicht ausreicht ein paar Mal in die Pfeife zu pusten um einen sauberen Rückruf zu trainieren, so reicht es auch nicht einfach mal für vier Wochen die Schleppleine dran zu hängen und sich zu wundern, dass der Hund danach immernoch stiften geht.

Wer Erfolge erzielen will, muss aktiv mit der Schleppleine arbeiten. An erster Stelle heißt das für mich, dass ich die Leine nicht bequem am Ende festhalte, sondern immer auf der kleinstmöglichen Länge. Läuft der Hund also drei Meter vor mir, halte ich auch die Leine locker auf drei Meter und lasse den Rest hinter mir auf dem Weg schleppen. Bewegt der Hund sich weiter, gleitet die Leine locker durch meine offene Hand, möchte ich jedoch eingreifen, kann ich dies jederzeit tun ohne groß nachzufassen.

Ist mein Hund unaufmerksam, wechsle ich öfter mal die Richtung. Ist er aufmerksam…auch! Somit entstehen keine festen Verhaltensmuster und das Training bleibt für den Hund spannend. Wechsle ich mal die Richtung, wenn der Hund nach mir schaut oder renne freudig rückwärts mache ich mich interessant, gestalte die Orientierung an mir positiv und gebe dem Hund ein Erfolgserlebnis. Ihr seht also – Schleppleinen-Training ist nichts für Faulpelze. Ich bin für meinen Hund nicht die Last am anderen Ende der Leine, sondern sein Entertainer.

Belohnung muss sein

Natürlich belassen wir’s mit der Belohnung aber nicht nur beim fröhlichen Frauchen, wir arbeiten mit Motivationsverstärkern. Das kann je nach Situation Futter oder ein Spiel sein, bei uns besonders beliebt: eine kleine Verlorensuche. Der Hund lernt, dass es sich lohnt nach mir zu schauen und wird immer häufiger eigenständig Kontakt suchen. Stimmt diese Basis, kann ich mich auch an größere Reize heran arbeiten und auch hier die Orientierung des Hundes an mir bestätigen.

Auch ein Spiel kann eine tolle Bestätigung sein.

Neben der Orientierung im Freilauf und Distanzkontrollen wie Sitz, Platz oder Warte ist die Schleppleine das wohl wichtigste Trainingsmittel zum Aufbau eines sauberen Rückrufs. Diesen haben wir stufenweise so sauber aufgebaut, dass meine Hunde nicht mehr überlegen ob sie nun kommen oder nicht, sondern auf der Stelle kehrt machen und mich tatsächlich schon von den Füßen geholt haben. Da wir in letzter Zeit nur wenige Reize zum Training hatten, freuen wir uns auf viele Häschen und frische Fährten um unseren Rückruf zu festigen.

Ob man seinen Hund mit einem Wort ruft oder mit einer Pfeife ist Geschmacksache. Wir haben uns letztendlich für die Pfeife entscheiden, da sie einfach durchdringlicher ist als meine Stimme und bei Herrchen und Frauchen gleich klingt. Sucht man sich ein Wort aus, kann man der Fantasie freien Lauf lassen und ein Wort wählen, welches man im normalen Alltag kaum nutzt und somit nicht so schnell über die Lippen kommt. Der Pfiff ist bei uns der Super-Rückruf und kommt entsprechend nur sehr selten zum Einsatz. Für Alltägliches haben wir ein stinknormales Hier!, bei dem es auch nicht tragisch ist, wenn die Hunde mal nicht im Affenzahn auf mich zu fliegen.

Pfeife für den Super-Rückruf

Für den Super-Rückruf gibt es bei uns immer einen Jackpot, zum Beispiel Leberwurst oder Lachscreme aus der Tube. Habe ich eine Spieljunkie, kann ich natürlich auch hier mit einem ausgelassenen Spiel bestätigen, man sollte jedoch beachten, dass der Jackpot für den Hund tatsächlich etwas besonderes ist und nur zu diesem Zweck zum Einsatz kommt.

Für den Super-Rückruf gibt's nen Knaller!

Hiermit haben wir den Rückruf aufgebaut und hiermit wird auch immer bestätigt. „Wenn da ein Hase rennt, interessiert’s meinen Hund doch nicht ob ich mit der Leberwurst winke“, bekomme ich oft zu hören. Eine Schwäche, mit der wir uns oft selbst im Weg stehen: wir erwarten viel zu schnell viel zu viel. Natürlich wird ein leidenschaftlicher Jäger nicht aus freien Stücken die Leberwurst dem Hase vorziehen. Mit einem sauberen Aufbau kann man jedoch durchaus erreichen, dass der Hund auf den Pfiff fast reflexartig kehrt macht…und blöderweise erst nachher merkt was ihm da gerade durch die Lappen gegangen ist.

Wie steht ihr zur Brut- und Setzzeit? Last oder willkommene Trainingsgelegenheit?

9 Kommentare

  1. Schön geschrieben und genauso läuft es bei uns auch.
    Wir sehen die Brut- und Setzzeit als „Trainingslager“ und somit als willkommene Abwechslung ;-)

    Liebste Grüße

  2. Da bei uns seit Januar die Schleppi dran ist, bleibt sie einfach noch weiter dran. Bisher hat Amber – zum Glück – keinen Jadgtrieb :) und daher ist es auch nicht besonders anstrengend für uns. Aber ich finde es ist wichtig die Brut- und Setzzeit zu beachten und Rücksicht zu nehmen! Außerdem ist es doch auch schön die Tiere in ihrer freien Welt zu beobachten ohne ständig die Augen auf dem Hund haben zu müssen ;)

    Liebe Grüße,
    Carolin mit Amber

  3. Wunderbarer Beitrag, Cosima.
    Und wer mag, könnte diese PDF ausdrucken und im Wald aushängen…denn vielen sagt B&S-Zeit leider gar nichts.

    http://up.picr.de/10399674nf.pdf

  4. Toller Beitrag! Wir sind hier in Hamburg viel in Naturschutzgebieten unterwegs und ich wundere mich immer über freilaufende Hunde, die in uns reinlaufen während die Hundehalter noch weit und breit nicht zu sehen sind. Wenn sie dann näher kommen und ihre Hunde vergeblich abrufen, dann kommt immer der Spruch „unser Hund tut nichts und jagt auch nicht“. Schleppleine kann Hund und Halter Spaß machen, Du hast es klasse beschrieben.

    Liebe Grüße

    Gabriela mit Tati

  5. Wunderbarer Beitrag!!
    Hier bei uns auf dem Ländchen ist es leider auch so, dass viele Hundehalter vergessen das es auch noch andere Tiere gibt außer ihren Hund – besonders diese, die auf Verständnis für ihren Hund pochen :-)
    Wir schließen uns der Schleppleinenfraktion an, so weit mit Kinderwagen händelbar u ansonsten laufen wir „sichere“ Strecken od an der normalen Ausgehleine!!

    Danke für den tollen Beitrag
    LG Julia mit Mia

  6. Lotta und Frauchen sagt: Antworten

    Ein toller Beitrag!!!
    Da unserer Madame in letzter Zeit auch ‚jwd‘ war, will ich die Schleppleinenzeit für ein intensives Rückruf- und Antijagdtraining nutzen. Ich würde mich über einen detaillierten Beitrag zum sauberen Aufbau des Rückrufs interessieren! Kannst du außerdem zum Antijagd-/Rückruftraining ein Buch empfehlen?

    1. Hallo Lotta!

      Wir freuen uns sehr, dass euch unser Beitrag gefällt!
      Für das „Gesamtpaket Hundetraining“ können wir dir vom Thomas Baumann „Ich lauf schonmal vor“ empfehlen. Bei Anti-Jagd wird es schon etwas schwieriger. Schau mal nach den Büchern und DVDs von Uwe Friedrich. Da erfährst du viel über unser Trainingskonzept, aber detaillierte Anleitungen wirst du auch dort nicht finden.

      Ich hoffe du hast Verständnis dafür, dass wir den Aufbau des Rückrufs hier nicht detailliert erklären können – schließlich ist das als Hundetrainerin Frauchen’s Job und wenn sie alles hier niederschreibt, braucht sie bald nicht mehr arbeiten gehen ;-)

      Liebe Grüße und viel Erfolg beim Training!

  7. Hi Cosima,

    super Bericht über euer Schleppleinentraining. Was hat Kito für ein Geschirr an? Benötige auch eines für meine Maja aber bisher gab’s nur Fehlkäufe :-( Das von Kito sieht allerdings sehr stabil bzw. auch sehr passgenau aus. Ist es eine Maßanfertigung, wenn ja, wie und wo (am Körper) hast du gemessen?

    Vielen Dank für deine Antwort :-)

    Alles Liebe
    Alexandra

    1. Hallo Alex,

      das Geschirr, das Kito trägt, ist das Niggeloh Follow Light. Wie du bereits sagst, ist es aber recht „fix“ was die Passform betrifft. Man kann zwar die Bauchgurte und den Bruststeg verstellen, aber der Rest muss sitzen. Kito ist irgendwie rausgewachsen, da er nochmal ziemlich an Muskulatur zugelegt hat. Wir haben es nun verkauft ;-)
      Wirklich empfehlen kann ich die Geschirre von anny-x. Die sitzen wahnsinnig gut, sind komplett verstellbar und verrutschen selbst mit Schleppleine kaum. Und der Preis ist auch im Rahmen :-)

      Liebe Grüße, Cosi

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