Trainingsspaziergang

Eigentlich drehen wir meistens morgens unsere große Runde. Da das Frauchen gestern aber gleich vormittags Termine hatte, ging es nur kurz auf’s Feld und dann wieder husch ins Bettchen. Frauchen war ein paar Kekse verdienen, wir haben geschnarcht und später haben wir dann unsere große Runde nachgeholt. Obwohl kein Sonntag war, waren wahnsinnig viele Leute unterwegs. Alle in Ausflugslaune und alle genau dort wo wir sonst in holder Dreisamkeit durch die Felder schlendern den Acker auf links drehen.

es frühlingt sehr!

 Der Frühling ist da, daran besteht kein Zweifel.

 Alles blüht und….

 *ähm* gelbt?!

Frauchen hat sich das aber schon gedacht – schließlich sind unsere Spazierwege die allerschönsten – und hat sich schonmal auf’s Schlimmste eingestellt. Radfahrer, die uns über den Haufen fahren, unfreundliche Zweibeiner und Rüpel-Hunde. Als Sahnehäubchen vielleicht noch drei oder vier Hasen. Von mir aus auch fünf.

Bevor es raus ging wurde also nochmal tieeef durchgeatmet und dann konnte es losgehen. Wie erwartet waren die Wege voll von Leuten und wir mussten erstmal ein ganzes Stück neben dem Frauchen herschlendern – was wir tadellos gemacht haben, obwohl keine Leine dran war – bis endlich das ersehnte Lauf! kam.

Da wurde erstmal geschnuffelt was das Zeug hält, aber natürlich trotzdem immer mal wieder nach dem Frauchen geschaut, das sich regelmäßig umdrehte um heran nahende Radfahrer rechtzeitig zu bemerken. In unserer Gegend ist es nämlich verboten zu klingeln. Und wer es doch tut, ist verpönt. Deshalb rasen die Radfahrer einfach vorbei und beschweren sich noch, dass wir gerade in diesem Moment die Straßenseite wechseln möchten. Schließlich müssten wir ihn doch anhand des Geräuschs seiner rollenden Räder gehört haben und eine Gasse bilden *ts* Nein, zum Glück züchtet unser Frauchen sich gerade ein Paar Augen im Rücken und hat alle Radfahrer rechtzeitig bemerkt um uns ratzifatzi auf Distanz ins Sitz! zu zitieren. Gesagt, getan, da saßen wir also, ließen die Radfahrer passieren, warteten bis auch das Frauchen da war und weiter ging’s in einen ruhigeren Seitenweg. Die erste Etappe wäre geschafft.

Am Bach entlang durch die Weinberge konnten wir uns ein wenig vom Trubel erholen und uns den wirklich wichtigen Dingen widmen: Jagen. Ich mach’s mir da inzwischen ganz bequem…wozu hab ich mir denn sonst einen Bretone ins Haus geholt?

Ich hab also den Kito genau im Auge wie er über die Wiesen schnuffelt. Wenn er vorsteht, kann ich mir ziemlich sicher sein, dass da was im Busch ist. Dann starte ich los um auch ja nix zu verpassen. Der Kito wiederum denkt sich dann „Also wenn die Maya durchstartet, dann MUSS da ja was sein“ und startet auch durch. Das ist übrigens das, was unser Frauchen so sehr an uns Jagdhunden mag und vor allem an der Tatsache gleich zwei solche Prachtexemplare zu ihrem Rudel zählen zu dürfen.

Noch bevor wir aber wirklich losstarten und das undefinierte wuselnde Etwas aus den Reben scheuchen konnten machte es TÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜT! und ehe wir uns versahen fanden wir uns mit einem Rums an Frauchen’s Beinen wieder. TÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜT heißt nämlich Leberwurst und nicht kommen gibt’s nicht. Was denkt ihr wozu wir hundert Jahre an der Schleppleine hingen?! (Übrigens macht nicht das Frauchen TÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜT, sondern die Pfeife)

 Ein Päuschen für den Kito. Nicht aber für seine Nase ;-)

Nach der Leberwurstparty durfte ich wieder losdüsen, während die 1000-Volt-Nase dann doch erstmal neben dem Frauchen bleiben musste. Ein Stück weiter und ein Platz-Päuschen auf einer Wiese später, schlugen wir einen anderen Weg ein und näherten uns wieder der „Hauptverkehrsstraße“. Leute, irgendwo muss da ein Nest gewesen sein. Da kamen so viele Zweibeiner, Radfahrer, Leute mit Kinderwagen, Hunde…dass wir uns einfach an der Kreuzung ablegten und einen nach dem anderen vorbeiließen.

 Können wir endlich weiter?

 Na gut, dann mach ich’s mir mal bequem.

Aber ihr wisst ja wie die Leute sind. Die gehen nicht einfach vorbei. Die bleiben stehen, hauen sich auf die Schenkel, fixieren dich und trällern irgendwas vor sich hin. „Och gugge mol wie der guckt! Hahaha! Ach Goddele!“ Ja, so reden die Leute bei uns. Was es an meinem Blick zu lachen gibt, erschließt sich mir jedoch nicht ganz. „Bleiben die einfach da liegen?“ wurde das Frauchen des öfteren gefragt. „Im Idealfall schon“, schmunzelte das Frauchen und warf uns ihren „wehe, ihr rührt euch vom Fleck“-Blick zu. Alles Roger, Frauchen, wir halten die Stellung. Fünfhundertzweiundvierzig Spaziergänger und etliche Radfahrer ohne Klingel später ging es dann auch für uns endlich mal weiter.

 Noch kurz posen. Soviel Zeit muss sein.

Danach suchten wir uns eine nette Wiese, Frauchen schleuderte das Spiely in hohem Bogen durch die Luft und es konnte losgehen. Endlich mal ne Runde Action! Und wo wir schon bei Action waren, kam auch direkt ein anderer Vierbeiner dazu, den wir nach Frauchen’s Freigabe begrüßen durften. Der hatte aber ganz anderes im Sinn als ein nettes Pläuschchen unter Hunden. Der wollte dem Kito an die Wäsche und redete nicht lang um den heißen Brei. Männer ey, alle gleich!

Nee Leute, da mach ich nicht mit.

So pflückte das andere Frauchen seine kleine Sexbombe halb belustigt, halb beschämt von Kito’s Bein (für mehr hat’s nicht gereicht) und klemmte ihn unter den Arm *tschöööö* Wir widmeten unser wieder unserem Spiely und tobten ne Runde über die Wiese bevor es weiter ging.

 Heeey Frauchen *huhuuu*

Psssst Geheimtipp für alle Maya-Fans: die wachsen hier auf Bäumen!

Zum Glück hatten wir mal einen Moment freie Bahn – und nutzten das auch prompt aus. Auf einem frisch gepflügten Acker (ihr wisst schon, so richtig grob und hügelig) erspähte der Kito ein kleines Vögelchen. EIN VÖGELCHEN! Wahnsinn *gähn* Und ehe das Frauchen was sagen konnte, spurtete der Kito los und *hoppla* legte im Acker einen dreifachen Salto hin. Nicht schlecht. Und immerhin war es ihm gelungen, dass das Frauchen über den versuchten Jagdansatz nicht böse war. Denn die war sichtlich amüsiert über Kito’s artistische Einlage. Der schaute übrigens verdutzt zum Vogel rüber, der ihm wenn mich nicht alles täuscht die Zunge raus streckte und davon flatterte. Dem Kito war die Lust vergangen und wir gingen weiter unseres Weges.

 Kito’s Salto hat ihm ein paar neue Punkte beschert. Die Farbe passt, das muss man ihm lassen.

Kurz bevor wir zurück am Hundemobil waren, passierte es dann tatsächlich. Wir schlenderten den Weg entlang, Frauchen rechts, der Kito vorneweg und ich wie so oft irgendwo dahinter auf der linken Seite des Weges bei der Grashalminspektion, als das Frauchen in letzter Sekunde einen Radfahrer von hinten kommen sah. Ich setzte gerade an vor dem Radfahrer den Weg zu kreuzen und zum Frauchen zu laufen, als die noch schnell ein Warte! rausbekam und der Kito und ich wie angewurzelt stehen blieben.

Und dann – wurde die Radfahrerin immer langsamer, schaute zu mir, schaute zum Kito, schaute zum Frauchen, sagte: „Mensch, die sind aber toll erzogen“, nickte uns freundlich zu und radelte davon. Das Frauchen kam aus dem Grinsen nicht mehr raus und wir machten uns entspannt auf den Heimweg. Fakt ist: wir waren die Stars, alle haben uns bestaunt und auch das Frauchen hatte nix zu meckern. Und ja, auch die braucht manchmal ein kleines Lob :-)

2 Kommentare

  1. Wieder mal ein toller Beitrag und die vielen Fotos sind auch wieder echt genial und schön geworden :) Liebe Grüße

    1. Vielen lieben Dank :-)

Schreibe einen Kommentar