Auf’s Maul?!

Eigentlich bin ich ein harmoniebedürftiger Mensch. Ja, ich würde behaupten, dass ich doch irgendwie in mir ruhe und eine recht hohe Toleranzgrenze habe. Läuft mal was nicht so gut, kommt Hektik auf, treiben die Hunde oder sonstwer mich gerade mal wieder in den Wahnsinn, denke ich mir meist stehen bleiben, tief durchatmen, bis zehn zählen und von vorn anfangen. Klappt in der Regel ganz gut, aber wie immer gibt’s Ausnahmen. Jene präsentieren sich in letzter Zeit vermehrt in Menschengestalt, genau genommen als Hundehalter. Meine Güte, wie ignorant kann man denn bitteschön sein? Diese Situationen haben wir meist täglich, mal mehr, mal weniger schlimm, aber sie scheinen von irgendeiner höheren Macht fest in unseren Tagesablauf eingeplant zu sein.

Es hätte ein schöner Spaziergang werden können. Mit dem Auto ging es zum Wald, Maya und Kito zeigten sich von ihrer besten Seite, suchten immer wieder Kontakt, waren stets ansprechbar, liefen ohne Widerworte bei mir, wenn ich es wollte. Es wurden Spielys verloren und gesucht und sich trotz Wild beherrscht. Hachja, so könnte der Spaziergang doch immer sein. Nach etwa zwei Stunden machten wir uns allmählich auf den Weg zurück zum Auto, hörten es aber von weitem schon bellen. Um Ärger aus dem Weg zu gehen, leinte ich meine Hunde an, denn auch wenn sie auch ohne Leinen bei mir bleiben, wird dies häufig von anderen Hundehaltern missverstanden. Klares Statement oder?

Der Hund – ein aufgewühlter Dobermann – war inzwischen in Sichtweite und turnte mit seinem Stock über einen Spielplatz. Da das dazugehörige Zweibein bislang nicht in Sicht war, ließ ich meine Beiden erstmal absitzen und nahm ein, zwei Meter vor meinen Hunden schonmal eine geeignete Position ein um den anderen Hund wegzuscheuchen. Es kam wie es kommen musste, der Hund hüpfte in grossen Schritten auf uns zu, während ich die Rückansicht seines Frauchens auf einer Bank erspähte. Was ihr Hund da treibt, war ihr offensichtlich völlig wurscht, also ging ich ein paar Schritte auf den Dobi zu und machte ihm klar, dass er hier nix zu suchen hat. Nachdem er zunächst verschwand, machte sich auch bei meinen Hunden Unruhe breit und der Dobermann startete einen zweiten Versuch von hinten. „Können Sie bitte mal ihren Hund rufen?!“, brüllte ich noch recht freundlich dem Frauchen rüber, das sichtlich genervt war. Ist ja auch ne Frechheit, dass ich sie störe, wo sie da gerade so entspannt auf der Bank sitzt. Ein kurzer Blick über die Schulter, der Klassiker „meiner macht nix“ und das Frauchen drehte sich wieder weg, während ich mit dem völlig aufgespulten Jungrüden kämpfte, der wohl Kito’s verführerischen Duft in der Nase hatte und nun partout nicht mehr gehen wollte. (Ob ihr’s glaubt oder nicht – ich werde nicht selten gefragt ob Kito eine läufige Hündin ist, Rüden verlieren bei ihm glatt die Besinnung!)

Da das Dobi-Frauchen für meine einfache Erklärung, dass ich keinen unkontrollierten Kontakt unter den Hunden möchte nur ein müdes Lächeln übrig hatte, erfand ich auf die Schnelle eine grässliche, ansteckende Krankheit und siehe da – es wurde ein erster Rückrufversuch unternommen. Dobi war hin und her gerissen, schaute dann sicherheitshalber mal beim Frauchen vorbei, klebte aber direkt wieder an Kito’s Hintern, als er feststellte, dass Frauchen nix zu bieten hat. Wieder drängte ich den Kerl weg und wurde allmählich lauter, sodass das Doberfrauchen wohl oder übel mitbekam, dass ihr Hund sich längst nicht mehr bei ihr aufhielt. Hatte sie das etwa ernsthaft erwartet? Eins, zwei, drei, vier weitere Rückrufversuche waren natürlich vergebens, das Frauchen wurde immer wütender über ihren unerzogenen Rüpel und ließ ihre Wut prompt an mir aus. Schließlich kann sie ja nichts dafür, dass ich hier so nen Terz mache und überhaupt… ich gebe zu, dass ich an dieser Stelle nicht mehr freundlich war und die Dame darauf hinwies, dass sie ihren Hund doch einfach anleinen soll, wenn er nicht erzogen ist – davon dass ein Hund auf einem Spielplatz sowieso nix zu suchen hat mal ganz abgesehen.

„Wieso gehen Sie nicht einfach weiter“, schnauzte es von der Bank. „Würde ich ja gern, aber wir müssen direkt an Ihnen vorbei“ – Auto und so, ihr erinnert euch? Also wartete ich weiter bis die Dame ihren Hund gebändigt hatte. Recht zuvorkommend wie ich finde, denn wäre ich gegangen, hätte sie sich von ihrem Hund verabschieden können – der wäre nämlich sicher lieber beim Bretonen mit seinem betörenden Duft geblieben. Natürlich artete der Versuch des Frauchens ihren Hund einzufangen in ein lustiges Spiel seitens des Dobermanns aus und ich wusste inzwischen nicht mehr ob ich nun lachen oder weinen soll. Wutentbrannt gab die Dame dann auf, denn ihr Hund hielt sie augenscheinlich zum Narren. „Dann müssen Sie jetzt halt woanders lang, ich bin jetzt hier!“ brüllte das Frauchen mich an. Ich glaub es hackt. „Meine Fresse, jetzt leinen sie doch einfach ihren Hund an, damit wir hier gesittet vorbeigehen können!“ Hund anleinen war aber nicht, denn Herr Dobermann hatte die Hosen an und hielt davon schlichtweg nicht viel. Also entschied das Doberfrauchen sich zur Flucht, schwang sich auf’s Rad und düste davon, während der Kerl natürlich weiter um uns herumsprang und Maya kurz davor war dem Nervenbündel das Fell über die Ohren zu ziehen. In all dem Chaos fiel mir irgendwann nur noch auf, dass meine neu gewonnene Freundin nicht mehr da war – war plötzlich so still. Na klasse, den wirste nie wieder los. Aber es geschehen doch noch Wunder und der Dobi entschied spontan doch mal kurz abzuchecken wo seine Alte hin ist. Nicht, dass die noch irgendeinen Unsinn treibt.

Was blieb? Die Erkenntnis, dass Fahrräder Nummernschilder tragen sollten, ein völlig fertiger Bretone, der nur noch geduckt zum Auto kroch, Frau Maya recht belustigt, die mit ihren Blicken zu sagen schien „ich hätte ihn fertig gemacht, Frauchen“ und ich kurz vorm Nervenzusammenbruch. Stehen bleiben, tief durchatmen, bis zehn zählen und von vorn anfangen – nein, es funktioniert leider nicht immer.

 

 

6 Kommentare

  1. Tröstet es Dich, wenn ich sage, dass ich neulich beim gleichen Spiel von einem älteren Ehepaar fast geschlagen wurde??? Es hagelte für mich Beleidigungen vom Feinsten – tief unter der Gürtellinie – und im Ernst, es hat nicht viel gefehlt, dann hätte mir der Typ ein paar in die Fre… gehauen.

    Dabei könnte es so einfach sein. Sie hätten ihren Jack-Russel-Tut-Nix einfach nur für gefühlte 10 Sekungen anleinen können. Geht aber scheinbar nicht…

    LG Andrea, die auch nur in Ruhe spazieren gehen möchte

    1. Puh, na das ist ja echt heftig. Da kann man doch wirklich nur noch den Kopf schütteln :-(

  2. Huhu nächstes mal sagste Bescheid, dann komm ich vorbei und sag dem Dobi meine Meinung ;) Nein wirklich eine Frechheit!!! Ich darf ohne Leine wenn andere Hunde in Sicht sind gar nicht laufen…. (bin noch zu stürmisch und zu jung)
    Schlabbergrüße Bonjo

  3. Hey, ich kann das sooo gut nachvollziehen.
    Da könnte man manchmal wirklich ausflippen bei so viel Unverschämtheit und Ignoranz!

  4. Tja, das kenn ich auch! Mittlerweile antworte ich auf „der tut nix“ nur noch „aber meiner“. Der ist von dieser Sorte Hund so genervt das er schon mal knurrt und androht wenn die ihm zu nahe kommen. Manche lassens drauf ankommen, die meisten sind dann aber aufeinmal seeehr agil.

    1. Maya und Kito sind was andere Hunde betrifft super entspannt, das Argument zieht bei mir also nicht. Zumal ich das dann ja auch nicht wollte – denn wenns dann wirklich mal knallt bist du dann wieder der Dumme….also wie man’s macht…… ;-)
      Ich habe auch keine Lust auf Ausreden oder Drohungen, einfach nur ein kleines bisschen Rücksicht. Das kann doch nicht so schwer sein.

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