Der hat mich provoziert

Vor ziemlich genau drei Jahren ist es passiert. Frauchen und ich spazierten gemütlich durch’s Feld, ahnten nichts Böses. Frauchen ahnte genau genommen gar nichts und ich – ich ahnte etwas Gutes…etwas sehr Gutes. Ich ahnte HASE. Aber natürlich bin ich clever, ließ mir nichts anmerken und schnuffelte auf leisen Pfoten über die Wiese. Meister Lampe blieb in Deckung, doch ich wusste genau, dass er da war. Der Duft, bei dem mein Verstand von Glücksgefühlen übermannt wird, kroch in jede meiner Riechzellen. Gleich war ich da. Er war schon zum Greifen nah, da änderte Herr Langohr seinen Plan und entschied sich doch für die Flucht. Das hätte er sich auch sparen können, denn die Chancen standen schlecht und nach ein, zwei Minuten hatte ich ihn erwischt. Ha! War das ein Fest. Frauchen kam irgendwann auch jubelnd und vor Freude mit den Armen fuchtelnd hinterher und wollte was von meiner Beute abhaben. Na gut Frauchen, weil du’s bist. Sie kann ja nichts dafür, dass ihre Nase nichts taugt und ihre zwei Beine sie nicht schneller tragen. Ich ließ das Hasi los und hoffte auf eine erneute Hetzjagd, denn Frauchen wollte ja diesmal mitspielen. Aber nix da, das Langohr schmollte und blieb liegen. Schlechter Verlierer. Frauchen hatte dann plötzlich auch keine Lust mehr, leinte mich an und wir gingen nach Hause. Die Stimmung war im Keller. Blöder Hase.

Von da an verging kein Tag, an dem mich nicht das Verlangen packte mich dem Rausch der Hatz hinzugeben und schließlich dieses flauschige duftende Fell in meinem Fang zu spüren – nur noch ein Mal. Doch Frauchen hatte andere Pläne und hinderte mich am Jagen wo es nur ging. Besserung war in Frauchen’s Augen dennoch nicht in Sicht und so trat der Hundetrainer in unser Leben. Was dann kam kennt ihr – Training, Training und noch mehr Training.

Was hat Frauchen uns gelobt. Wie brav wir doch sind, wie vorbildlich wir uns benehmen, wie entspannt wir unterwegs sind. Ja, und es war ja auch wirklich so. Bevor die Schleppleinen abgebaut wurden – Stück für Stück sind sie der Schere zum Opfer gefallen – haben wir sie locker ein halbes Jahr hinterher geschleppt, ohne dass Frauchen irgendwas festgehalten hat und alles hat prima geklappt, auch bei Wildbegegnungen. Hasen? Come on… Die Schleppleinen waren also bald Geschichte und endlich, endlich, nach eineinhalb Jahren der Gefangenschaft, sind wir wieder frei. Bis ich da letzte Woche diesen Hasen aus dem Gebüsch geschubst hab und auf den Pfiff nur verzögert zurückkam (wart ihr mal im Dickicht unterwegs? Das geht eben nicht so schnell…). Obwohl ich die Hatz abgebrochen habe und ratzfatz wieder da war, war Frauchen ziemlich enttäuscht oder vielmehr verärgert über das blöde Hasentier. Hat doch nun endlich alles sooo gut geklappt. Passiert sowas denn nur uns oder springen die Hasen euch auch ständig vor die Nase? Also ehrlich, sich dabei noch zu beherrschen ist für einen Vollblut-Jäger wie mich fast unmöglich. Der hat mich provoziert! Und genau wie damals bin ich darauf reingefallen. Wie sieht’s bei euch aus, bleibt ihr cool, wenn der Hase schon zum Greifen nah ist, euch nur noch ein paar Zentimeterchen trennen und die Beute plötzlich die Biege macht?

8 Kommentare

  1. Also ich kann dich vollkommen verstehen. Was soll das auch vom Hasen? Andererseits, was willst du von so einem Plüschi auch groß erwarten? Naja, ich war vorgestern auch hinter zwei Hasen her – saßen die einfach auf meiner Spielwiese – tja und was ist passiert, Frauchen pfeift und während ich einen Bogen zurück zum Zweibein mache, sehe ich noch aus dem Augenwinkel, dass die Hasen weggeflogen sind. HALLO? Hast du so was schon mal gesehen? Frauchen meinte, dass das keine Hasen, sondern Gänse gewesen sind, stolz war sie aber trotzdem auf mich. Aber ich will auch nichts sagen, ich bin ja auch kein waschechter Jagdhund, wie du. Wäre ich einer, wäre ich sicherlich nicht so schnell wieder zurückgekommen *hehe*

    *wuff* deine Lilly

    1. Diese Flughasen kenne ich auch. Wahnsinn oder? Die sitzen ganz oft in riiieeesigen Gruppen bei uns auf dem Feld. Die jucken mich aber nicht wirklich, Frauchen sagt dann ‚bei mir‘ und wir gehen friedlich vorbei. War auch nicht immer so, aber inzwischen schon. Nur die Hasen…die haben es mir einfach angetan. Frauchen sagt immer sie wüsste gern mal wie es ist mit einem Hund, der keinen oder eben einen mäßigen Jagdtrieb hat. Hallo? Da würde ihr sicher langweilig werden. Und dann meint sie ‚wenn ich doch ein bisschen was vom Kito hätte‘ – der ist nämlich laut Frauchen durchaus der facettenreichere und talentiertere Jäger, aber er bringt wohl Charaktereigentschaften mit, die ihn gut lenkbar machen. Ist doch alles nur Blabla. Ich bin eben ein echter Haudegen und lasse mich von nichts aus der Ruhe bringen, auch nicht von nervigen Frauchen ;-)

      *wuff* deine Maya

      1. Lass dich von deinem Frauchen bloß nicht einschüchtern – in Wahrheit liebt sie doch die Herausforderung *chrchrchr*

        *wuff* deine Lilly

  2. Ach Maya, was soll ich sagen, man kann es den Frauchens einfach nicht Recht machen. Meines dachte sich die Tage, wir schauen mal wieder an meinem Lieblingskaninchenverschlag vorbei. Zur Kontrolle des Lernfortschritts sozusagen… *chrchrchr*

    Sie war schon erstaunt, dass ich tatsächlich der Versuchung wiederstehen konnte, gleich abzuspurten und brav vor den Kaninchen so peinliche Gehorsamsübungen absolvierte. Dann durfte ich schnüffeln gehen und natürlich habe ich eines aufgetrieben (ist auch nicht schwer, davon gibt es dort jede Menge, es wimmelt geradezu von Kaninchen). Direkt vor mir ist es weggehoppelt, ich natürlich hinterher. Frauchen trötet in ihr lautes Büffelhorn und ich, ich hoppse unverzüglich beflissen herbei. Der Gesichtsausdruck von Frauchen war unglaublich, so nach dem Motto „WIESO kommst Du zurück???“. Ja wat denn noch, vielleicht im Handstand… man man man

    Nasenstups
    Linda

    Anm. von Frauchen:
    Bitte nicht denken, dass ich Linda auf Kaninchen hetze, aber an manchen Stellen hat es hier so unglaublich viele davon, dass man selbst schon aufpassen muss, nicht auf eines draufzutreten. Außerdem ist Linda wahrscheinlich auch keine Vollblutjägerin. Sie rennt zwar gerne, aber töten würde sie die Tiere glaub ich nicht. Jedenfalls hat sie das bislang noch nie versucht…

    1. Hihi, das kennen wir nur zu gut. Diesen „warum kommst du zurück?!“-Ausdruck kenn ich von meinem Frauchen auch von etlichen Hasenbegegnungen. Aber nun kam Begegnung X und da sollte es eben mal nicht so reibungslos klappen.
      Wir sind zum Üben damals häufig in einen Park gegangen, dort ist die Hasensituation ähnlich wie du sie beschreibst. Aber Hasen auf dem Silbertablett? Davon hab ich mich nicht aus der Reserve locken lassen. Ich kenne die Übungssituationen ganz genau und erlaube mir dort keine Fehler….wenn’s ganz unverhofft kommt, dann geh ich in die vollen ;-)

      BTW…Maya geht es auch sicher nicht ums töten, das hat sie zwar versucht bei ihrer damaligen Beute, aber mit ihrem kurzen Fang und einem Hase, der fast gleich groß ist wie sie, hätte sie da etwas länger gebraucht ;-) ihr geht’s ums Hetzen und Fangen, hauptsächlich aber um ersteres. Sieht Maya Hasen schreit sie wie am Spiess, sabbert, zittert und ist nicht mehr ansprechbar. Das hat sich zwar inzwischen gebessert, letztendlich zeigt mir das aber, dass ihr Körper ihr da einen Strich durch die Rechnung macht. Manchmal gelangt sie einfach an einen Punkt, an dem es ihr gar nicht möglich ist mich und meine „wünsche“ wahrzunehmen. Sie ist dann wie in einer anderen Welt, in die ich manchmal durchdringe, manchmal aber auch nicht. Jedenfalls zeigt meine Erfahrung, dass Maya sofort weiß ob es sich um eine Trainingssituation handelt. Da gehe ich von vornerein ganz anders los, reagiere viel schneller und aufmerksamer und dann ist das ganze kein Problem. Bin ich wie neulich unvorbereitet und funktioniere selbst nicht zu 100%, nutzt Maya diese Lücke sofort.

      1. Der Vollständigkeit halber… In unserem Übungspark gab es auch nur kleine huschlige Kaninchen. Die find ich zwar spannend, aber nicht halb so toll wie die großen Feldhasen. Denn die Kaninchen hopsen so vor sich hin und verschwinden schwuppdiwupp in ihrem Bau. Die Feldhasen geben quer über den Acker richtig Fersengeld und das oft über viele Kilometer (nicht dass ich so weit hinterher rennen würde…)

  3. liebe Maya,
    echt… ich habe zwar schon mal einen Hasen gesehen rum hüpfen,
    da war aber Sindy erst ein halbes Jahr alt,
    und es interessierte sie nicht die Bohne.
    Bei ihr kämpfen wir mit Vögeln und Katzen….
    und es gibt jeeeeede Menge davon…..!
    Aber erst einmal wollte sie gerade durch starten,
    kam aber beim zweiten Ruf zurück… zum Glück!!!! Nix passiert, Vogel war in der Luft und Sindy am Boden..
    Aaaaaber…. auch wir arbeiten immer… und immer wieder daran….
    ich glaube, auf Katzen hat sie noch mehr….
    Ich glaube, wir können noch sooooo viel Trainieren…. aber es bleibt ein Hund….. oder?
    glg Nathalie

  4. So ein gemeiner Hase…so was macht man doch nicht, wenn das Frauchen da ist…dem hätte ich vielleicht die Meinung gesagt…wir Fellis müssen doch zusammenhalten *motz*
    So ein wirklicher Jagdhund bin ich jetzt nicht, einmal saß auf meinem Feld ein Rabe…der sah ziemlich gelangweilt aus, da bin ich mal hin und wollte fragen, ob er mit mir spielen will, aber immer wenn ich fast bei ihm war, ist der ein Stück weiter geflogen…und ich bin hinterher…da war mein Frauchen auch nicht begeistert…obwohl ich doch nur freundlich sein wollte *hmpf*
    Naja…der Rabe hat mich eh nur veräppelt und jetzt will ich auch gar nicht mehr mit denen spielen…selbst dran schuld!
    Lass dich vom Frauchen nicht ärgern…warst ja nicht dran schuld!

    *wuff*, Amber ❤

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