Hasentraining und Weltuntergang

Frauchen sagt, was unser Projekt „Leinen los“ betrifft, treten wir zur Zeit auf der Stelle. Die blöden Hasen sind immer so weit entfernt, dass ich mich gerade noch beherrschen kann und bei Frauchen bleibe und sie einfach nicht dazu kommt, das Abbruchsignal zu üben. Als wir dann gestern mal wieder mit dem Hundetrainer unterwegs waren, wollten die mich doch tatsächlich austricksen. Ein ferngesteuertes Auto mit einer laaaaaangen Schnur inklusive Hasenfell hintendran hatten sich samt Trainer im Wald versteckt um mich aus der Reserve zu locken. Als ich kurz vor dem Fell war, zischte es plötzlich los. Klaro hab ich das gesehen, aber was soll ich denn so ein lahmes Fell jagen? Da bleib ich doch lieber bei Frauchen und kassier Kekse.

Natürlich geben diese Zweibeiner aber nicht so schnell auf, also ging es mit der Reizangel weiter. Fell dran gebunden und ab ging die Post. Der Hundetrainer hat mit dem Teil Vollgas gegeben und Frauchen und ich sind drum herum gelaufen. Das Fell flog mir vor die Füße, huschte wieder weg, flitzte an meiner Nase vorbei… und einmal ist es mir sogar an den Kopf gedotzt, weil der Trainer nicht aufgepasst hat (so haltet ihr mich bestimmt nicht vom Jagen ab!). Trotz allem blieb ich bei Frauchen, da konnte sie Lauf! sagen so oft sie wollte. So drehten wir Runde um Runde bis ich mir dann dachte – ach, wieso eigentlich nicht. Hasenfell – dein letztes Stündlein hat geschlagen! Ich setzte zum Sprint an, rummste aber in die Leine bevor ich das begehrte Fell erreichen konnte, umhüllt von Nebel und einem Pfiff, der durch Mark und Bein ging. Verdammt. Das Abbruchsignal, da war es also. Mit Schlappohren bis zum Boden und einer gesenkten Rute rettete ich mich in Frauchens Arme, die mich mit tröstenden Worten und einem Berg Leckerlis empfang. Der Trainer versuchte mich nachher nochmal zum Hetzen zu animieren, aber ich hatte genug. Um das Fell wurde ein großer Bogen gemacht und ich war froh, als ich dann endlich ins Auto durfte (ihr werdet noch sehen, das Hundemobil und ich sind die Tage dicke Freunde geworden).

Auch der Kito kam danach in den Genuss der Reizangel. Da er das Abbruchsignal aber erst kennenlernen wird, wenn ich damit durch bin, blieb ihm dieses Szenario vorerst erspart. Stattdessen wurde Beherrschung, der Rückruf vom flitzenden Fell und das Tabu-Wort geübt. Wie immer hat der Kito alles Streber-mäßig mitgemacht, sodass am Ende alle zufrieden waren (außer mir).

Voller Tatendrang ist Frauchen dann heute mit uns raus zum Hasenacker gefahren um den Abbruch am echten Langohr zu üben. Damit sie für mich die Hände frei hat, wurde Kito’s Leine kurzerhand quer um den Bauch gehängt und es konnte losgehen. Wie immer haben wir auch direkt ein paar Hasen gesehen, aber wie immer klebte ich erstmal bei Frauchen, während der Kito völlig aus dem Häuschen war. Wir liefen und liefen und liefen bis dann ein Häschen nicht ganz so weit entfernt aus der Deckung sprang. Ich zögerte, lief ein paar Schritte, stand nochmal vor.

hasi4Normal wäre das der Moment, in dem ich zurück zu Frauchen renne. Aber wenn der Bretone da so rumhampelt, dann will ich auch. Ich zögerte noch kurz, sprang dann aber – getreu dem Motto jetzt oder nie – beherzt in die Leine und wurde sogleich vom Aufnebeln des Sprühgeräts und diesem ohrenbetäubenden Pfiff zurück auf den Boden der Tatsachen geholt. Auch das Bretönchen war von diesem Lärm sichtlich beeindruckt und hielt den Weg zu Frauchen für die bessere Alternative. Da hat der Hase also nochmal Glück gehabt und für uns (vor allem mich) regnete es Lob und Leckerli. Durch den Wind waren wir trotzdem, denn alles war verseucht von diesen unverschämt leckeren Hasenfährten und hier und da war im Braun der Felder ein verdächtiges Huschen zu sehen. Um auf Nummer sicher zu gehen, lief ich dennoch weiter bei Fuß. Am liebsten hätte ich mir ein Klümpchen Erde in die Nase gesteckt um diesem lieblichen Hasenduft besser widerstehen zu können. Aber was tut man nicht alles um die Zweibeiner glücklich zu machen.

Unser Ziel war es ein weiteres Langohr zu sichten und meine Reaktion abzuwarten. Doch was wir am Horizont entdeckten, waren keine Hasen, sondern dunkle, fast schwarze Wolken, die mit lautem Grummeln näher kamen. Der Wind frischte auf und nicht weit entfernt rollte eine riesige weiße Wolke über die Felder direkt auf uns zu. Ehe wir uns in Sicherheit bringen konnten, hatte die Sturmböe uns erwischt, sodass es Frauchen fast aus den Gummistiefeln wehte und ich um meine Schlappohren bangte. Mit dem Wind kamen plötzlich gemeine weiße Kugeln vom Himmel, die wie Nadeln auf uns runter prasselten. Und wir mitten auf dem Acker, ohne Schutz, ohne Dach, weit weg vom Hundemobil. Der Kito und ich wären am liebsten in irgendeinem Erdloch verschwunden, doch Frauchen sagte da müssen wir nun durch. Also liefen wir weiter bis wir an einem Bauernhof ankamen, der uns vor dem Sturm schützte. Kito und ich drückten uns ganz eng aneinander in eine Hecke rein, während Frauchen sich schützend über uns stellte. Und nun? Besser wurde es nicht wirklich und wir konnten schließlich nicht den ganzen Tag hier warten. Es blieb uns also nichts anderes übrig, als zu unserem Hundemobil zu eilen, bevor die Welt untergeht. Durch Sturm, Hagel, Blitz und Donner kämpften wir uns die letzten Meter zu unserem fahrbaren Untersatz (über den ich mich noch nie SO gefreut hab!). Los Frauchen, schnell, schnell, schnell nach Hause! Die Aktion Hasenjagd wurde natürlich gecancelt und wir haben uns völlig durchnässt auf den Heimweg gemacht, wo uns eine Ladung Handtücher, gefolgt von einem wohl verdienten Stück Rinderkopfhaut erwarteten.

Natürlich ist die Welt doch nicht untergegangen und obwohl es draußen nun wieder ganz nett aussieht, denke ich nicht, dass ich das Haus heute nochmal verlassen werde. Schließlich hat der Himmel vorhin auch so getan als wäre alles ok. Und dann *BÄM*. Nee nee Leute, ich bin ja nicht doof! Ich bleibe also in meinem warmen Hundebettchen und warte bis das Wetter sich wieder eingekriegt hat. Vielleicht warte ich auch bis zum Frühling, sicher ist sicher.

1 Kommentar

  1. Sandra & Benson sagt: Antworten

    OOOOHHHHHHHHHHHh, wie süß Ihr aus der Wäsche guckt!
    Also, hier auf dem Feld rennen auch die Hasen rum. Und einmal bin ich einem hinterher, aber bevor ich überhaupt richtig Speed auf dem Tacho hatte, rief Frauchen: „Benson, HIER!“ – und ich machte auf der Stelle kehrt und trabte zu ihr. Was hat die gejodelt vor Freude! Ich bekam eine ganze Hand voll Leckerchen auf einmal. Jackpot! Frauchen erzählte das zu Hause auch ganz stolz, meinte aber, das wäre wohl nur Zufall gewesen. Einige Zeit später die gleiche Situation – wieder machte ich sofort kehrt und kassierte Unmengen an Leckerchen. Ich sage meinem Frauchen natürlich nicht, dass Hasen überhaupt nicht mein Ding sind, sondern lasse sie in dem Glauben, sie hätte die Macht über mich. Wenn uns allerdings mal eine Leberwurst über den Weg läuft, dann …..

    Liebe Grüße und weiterhin ganz viel Erfolg.
    Benson

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