Fährtenarbeit – Teil 1

Wie ihr sicherlich schon mitbekommen habt ist die Fährtenarbeit unsere allerliebste Aufgabe. Kito’s Startschwierigkeiten sind ja nun auch überwunden und wir können richtig Vollgas geben. Aber wie ist das eigentlich mit den Fährten? Natürlich ist Fährte nicht gleich Fährte, es gibt Schleppfährte, Sportfährte oder auch Mantrailing und vieles mehr, was die Hundenase so richtig müde macht. Wir machen die klassische Sportfährte (Eigenfährte) und weil sich viele sicher nicht so gut vorstellen können, was wir genau machen und wie die Fährtenarbeit aufgebaut ist, geben wir euch heute einen kleinen Einblick.

Ein paar Fakten:

Wie entsteht eigentlich so eine Fährte und was genau riechen wir da? Erstmal geht es um den Individualgeruch. Das kann der Geruch von Wild sein, in unserem Fall ist es der unseres Zweibeiners. Der schmeißt nämlich so einiges von sich, was unseren feinen Nasen nicht entgeht. Das sind zum Beispiel Haare und Körperschuppen, auch Pflegemittel können wir schnuppern, Schweiß und Käsefüße, Stress und und und. Kurzum, wir riechen einfach alles! All diese Gerüche hinterlassen die Zweibeiner überall wo sie gehen und stehen. Hinzu kommt die mechanische Bodenverletzung, also das was die Zweibeiner da so platt trampeln. Dabei werden Pflanzen und kleine Tierchen zertreten und zersetzt, es entsteht ein Gärungsprozess und Gase werden freigesetzt. Während der Individualgeruch mit der Zeit abdriften kann, tritt der Geruch der mechanischen Bodenzerstörung mit der Zeit in den Vordergrund. Hier spricht man von einer warmen oder kalten Fährte. Tja, ziemlich spannend, oder? Jetzt aber ran an die Fährte!

Moi bei der Dreiecks-Fährte. Erst die Bodenreihen sorgfältig abarbeiten und dann zur Spitze!

Wir bauen die Fährtenarbeit nicht so auf wie die meisten das machen (ist ja klar, unser Hundetrainer hat ja auch für alles ein Spezialrezept). Der klassische Weg ist eine gerade Fährte, die zu einem Napf mit Jackpot führt. Dass wir da nicht mehr sauber und konzentriert arbeiten würden, kann sich jeder denken :-) Also, los geht’s!

Was man braucht:

  1. Unzerstörten Boden, also eine Wiese, die gar nicht oder nur selten betreten wird. Fährten könnt ihr fast überall legen, wo ihr eine Bodenzerstörung hinterlasst, also Wiese, Acker, Waldboden und und und. Auf Asphalt und Co. könnt ihr’s euch sparen ;-)
  2. Einen kleinen Stock, Zelthering oder ähnliches um eure Fährte zu markieren (die verliert man echt schnell aus den Augen).
  3. Ganz viel Futter.
  4. Ein Geschirr, Halsband und eine Schleppleine.

Level 1 – Rechteck:

Zum Einstieg in die Fährtenarbeit beginnen wir mit einem Rechteck. Wenn wir eine geeignete Stelle gefunden haben, bewaffnet sich unser Frauchen mit Zeltheringen und Futter und legt los. Wichtig ist, dass man nicht einfach drauf los trampelt, sondern einen großen Schritt zum Startpunkt der Fährte macht, damit ringsrum keine Bodenzerstörung entsteht, die uns nachher durcheinander bringt. Ins untere linke Eck des Rechtecks wird der Hering gesteckt und dann wird ein etwa 1qm großes Rechteck sorgfältig ausgetreten. Anschließend wird es großzügig und gleichmäßig mit Leckerlis bestückt. Natürlich suchen wir am Anfang einfach nur die Leckerlis, nehmen dabei aber ob wir wollen oder nicht den Zweibeiner-Geruch auf und lernen, dass Zweibeiner-Geruch verfolgen sich lohnt :-) Wichtig ist, dass die Leckerlis auch ganz am Rand der Fährte liegen, damit wir lernen, dass wir bis zum Rand schnuffeln müssen und später Grenzen und Winkel sauber ausarbeiten. Pro Nase dürfen es zwei bis vier Rechtecke sein, die jeweils etwa drei Meter auseinander liegen sollten.

Bevor wir an die Fährte dürfen haben wir ein Startritual, das uns zeigt, dass wir nun Fährtenarbeit machen und uns etwas runterfahren soll (wie das aussieht ist jedem selbst überlassen). Dazu müssen wir uns neben Frauli ablegen bis wir uns ein wenig entspannt haben. Dann geht es bei Fuß auf die Fährte zu. Etwa einen Meter vorher müssen wir uns nochmals hinsetzen und uns „sammeln“. Wenn wir bereit sind, führt uns Frauli mit einem Leckerli ins rechte untere Eck der Fährte. Mit Frauchens Kommando „Fährte“ fällt das Leckerli auf den Boden und wir fangen automatisch das Schnuffeln an. Wichtig ist hier, dass Frauchen wieder einen großen Schritt direkt ans Eck der Fährte macht, damit keine weitere Bodenzerstörung entsteht.

Wenn wir fein am Arbeiten sind, bekommen wir auch mal ruhiges, verbales Lob. Sollten wir uns verirren und aus dem Rechteck hinausschnuffeln, wird die Leine einfach stramm gehalten, damit wir den Weg zurück finden. Wenn wir noch gut und motiviert bei der Arbeit sind und noch etwa fünf oder sechs Leckerlis übrig sind, sagt Frauli „Schluss“ und wir werden am Halsband aus der Fährte hinausgezogen. Es ist wichtig, dass wir dann aufhören, wenn wir noch richtig am Ball sind, damit wir heiß auf die nächste Fährte sind.

Wenn das mit dem Rechteck richtig gut klappt und ihr schon einen Schrecken bekommt, wenn ihr feststellt, dass ihr die Grenze überschnuffelt habt und schnell zurück ins Rechteck kommt, dann wird es Zeit für die nächste Stufe.

Level 2 – Dreieck:

Im nächsten Schritt gibt es keine Rechtecke mehr, sondern Dreiecke. Wie immer sucht ihr euch einen unzerstörten Boden, macht einen großen Schritt und setzt eure Markierung links unten. Dann tretet ihr euer Dreieck aus, jede Seite sollte etwa ein Meter lang sein. Den Boden des Dreiecks bestückt ihr großzügig mit zwei dichten Reihen Leckerlis. Darauf folgt erstmal eine Lücke, dann zwei bis drei weitere Reihen mit weniger Leckerlis und schließlich noch ein einziges Futterbröckchen in der Spitze. Wieder starten wir mit unserem Ritual und schnuffeln rechts unten los. Die vielen Leckerlis am Boden des Dreiecks sollen dafür sorgen, dass wir uns dort besonders lange und konzentriert aufhalten. Erst danach dürfen wir weiter Richtung Spitze und werden wieder rausgezogen bevor wir alle Leckerlis gefuttert haben. Sollten wir uns einmal in Richtung Spitze bewegen und nochmal umdrehen wollen, werden wir rausgenommen, denn das ist tabu! Schließlich sollen wir die Fährte systematisch durcharbeiten.

Dreieck läuft? Dann ab ins nächste Level!

Level 3 – Sanduhr:

Bei der Sanduhr-Fährte starten wir mit dem Dreieck, das wie gewohnt aufgebaut wird. Aus der Spitze gehen wir dann in kleinen Schritten einen etwa zehn Meter langen Bogen, der in der Spitze eines weiteren Dreiecks mündet, welches wiederum so aufgebaut ist wie das erste. In jede Fußspur des Bogens kommt ein Leckerli. Wir starten also wie gewohnt rechts unten und arbeiten den Boden des Dreieck sorgfältig aus bevor wir uns auf die Linie begeben. Sollten wir mal die Spur verlieren und seitlich abdriften, werden wir einfach durch die Leine blockiert, wenn wir aber umdrehen wollen, ist der Spaß vorbei und wir werden rausgezogen. Wenn wir alles richtig gemacht haben, landen wir am Ende in unserem zweiten Dreieck. Auch hier sollen wir uns zuletzt lange und konzentriert der Bodenreihe widmen und bevor alles weg ist, werden wir am Halsband hinausgezogen. Bei der Sanduhrfährte geht unser Frauchen hinter uns und die Leine steht unter Spannung. Wir machen die Arbeit und Frauchen muss folgen, so ist’s recht! Wichtig ist, dass der Bogen mal nach links und mal nach rechts geht und wenn alles gut klappt, kann man auch mal eine Schlangenlinie treten.

Don’t forget:

Bei der konzentrierten Fährtenarbeit atmen wir bis zu 300 Mal in der Minute ein! Das versetzt unseren Körper in einen Hochleistungsmodus und macht richtig müde. Außerdem trocknen unsere Schleimhäute aus, weshalb wir auch zwischen den Fährten mal etwas trinken sollten – Wasser ist nämlich DER Energy-Drink für die Hundenase! Auch sollten wir immer mal einen Fährten-freien Tag haben. Alles in allem haben wir uns für jedes Level zwei Wochen Zeit genommen.

Na, seid ihr neugierig? Weiter geht es bald mit der Winkelfährte… Fortsetzung folgt ;-)

5 Kommentare

  1. Das habt ihr aber klasse beschrieben. Richtig gut nachvollziehbar und vielleicht bekommt jetzt der ein oder andere Vierbeiner auch mal Lust darauf seinen Zweibeiner aufzufordern, ihm eine Fährte zu legen :-) Für mich ist das jedenfalls das Größte und die Welt um mich herum ist vergessen, sobald ich mein Kommando bekomme ;-)

    Küsschen,
    eure Lilly

    1. Danke :-) Wir haben unserem Frauli auch extra gesagt, dass sie sich Mühe geben soll, damit es jeder versteht… Für mich gibt es auch nichts besseres als Fährte. Bevor es losgeht, schreie ich sogar, obwohl Frauchen das gar nicht so lustig findet. Der Kito zieht momentan die Wildfährten noch vor, aber er hat verstanden, dass die Fährtenarbeit auch Spaß macht und ist inzwischen gut dabei :-)

      Frohes Schnuffeln!
      Deine Maya

  2. Ja, die Fährtenarbeit ist echt kompliziert zu erklären. Frauchen hat ja auch schon so Skizzen gemacht, damit es besser verständlich ist. Die Winkelfährte ist meeeega cool! Viel Spaß dabei ;)

    1. Danke! Ich freu mich schon totaaaal drauf! :-)

  3. […] es hat eine Weile gedauert, aber nun kommt endlich die Fortsetzung unserer Fährtenarbeit. Beim letzten Mal haben wir euch die Basics erklärt. Wie beginnt man mit der Fährtenarbeit, was ist zu beachten, was sollte man wissen? Nun, da ihr […]

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