Der Jäger im Cocker-Mops

Bis vor einigen Wochen war ich mir nicht wirklich darüber im Klaren, wie glücklich ich mich schätzen kann, einen Hund zu haben, der stets ohne Leine durch Felder und Wiesen streifen darf. Natürlich war der Jagdtrieb bei Maya nie von der Hand zu weisen, jedoch war sie gut kontrollierbar und Hund und Frauchen waren damit zufrieden. Wer hätte schon gedacht, dass Maya’s guter Riecher eines Tages einen scheinbar kranken, geschwächten Hasen aufspürt? Ich nicht, aber sie hat es geschafft und – tadaaa – sie hat den Hasen gefangen! Hundi war völlig euphorisch und wäre vor Freude und Adrenalin wohl beinahe explodiert, während mein Adrenalinspiegel zwar ebenfalls in schwindelerregende Höhen stieg, die Freude sich jedoch in Grenzen hielt. Wäre Maya bei allem so motiviert wie bei der Hasenjagd, wäre sie wohl ein absoluter Streber und Vorzeigehund, denn das allgemeine Lernverhalten unserer vierbeinigen Freunde, nämlich Lernen durch positive Bestärkung, habe ich noch nie so extrem erlebt, wie in diesem Fall. So kann ich behaupten, dass im Fall der Hasenjagd ein einziger Erfolg ein wirklich toller Bestärker ist!

Konsequenz: Leckerlis zu Hause lassen und zur Belohnung einen Hasen zücken! Hundeerziehung war noch nie so einfach. Spaß beiseite – bei uns steht nun konsequentes Anti-Jagd-Training mit Schleppleine, Hundepfeife, Leberwurst und Helga (wer ist Helga?) auf dem Plan. Da heißt es pfeifen und Gas geben, wenn Hundi durchstartet. In erster Linie amüsiere ich damit wohl die anderen Hundehalter und jene „Haus-in-Feldrandlage-Bewohner“, die bei diesem amüsanten Schauspiel den Fernseher getrost abschalten können. Natürlich wäre ein kontrollierbares Jagdverhalten bei Maya ein netter Nebeneffekt dieser Feld-Entertainment-Einlagen – ob wir das hinkriegen?

Wenn ich den Aussagen anderer bekannter und nicht-bekannter Hundehalter Glauben schenke, so könnte man das Vorhaben einen Jagdhund kontrollierbar zu machen etwa damit vergleichen, mit meinem rostigen Hollandrad zum Mond zu fliegen. Ich ernte Blicke, als wäre es ein riesiges Verbrechen, einen Hund in dieser Hinsicht erziehen zu wollen, von vielen Leuten wird man allein für den Versuch geradezu belächelt. „Wenn sie einmal Erfolg hatten, kriegt man es niiiiieeee wieder raus, NIE!“ ist wohl der häufigste Spruch, den ich auf meine Schilderungen über Maya’s Hobby zu hören bekomme. Wie gut, dass der eigene Hund in der Zwischenzeit über die Felder düst und dem Herrchen schwanzwedelnd einen Hasenfuß bringt. Aber Nein, dass ist natürlich kein Jagen, das ist Schnüffeln! Von eben diesen Hundehaltern bekomme ich zu hören, dass man das Jagen von Anfang an unterbinden muss. Na herzlichen Dank für diesen hilfreichen Tipp, aber wie wäre es, wenn Sie erstmal bei ihrem pubertierenden Jagdhund anfangen? Das sind die Möchtegern-ich-weiß-alles-über-Hundeerziehung-Hundehalter, die selbstverständlich aaalles wissen, es aber beim eigenen Hund aus unerfindlichen Gründen nicht anwenden.

Eine andere Kategorie sind die Lari-Fari-Hundemenschen, die mit ihrem Vierbeiner über die Felder trotteln, weil sie eben nichts besseres zu tun haben. „Also wegen mir müssen sie ihren nicht an die Leine nehmen,“ kam mir einmal ein rundlicher alter Herr mit einem noch rundlicheren Labrador entgegen getorkelt. Auf meine Aussage, dass mein Hund jagen geht und die Leine zwecks Training dran bleibt erntete ich ein trockenes „Ach, das machen sie doch alle!“. Na das ist doch ein super Trost! Wenn Maya eines Tages vor ein Auto rennt oder von einem Jäger erwischt wird, wird mir dieses wertvolle Wissen sicherlich darüber hinweghelfen.

Ich bin mir darüber im Klaren, dass man einem Jagdhund das Jagen weder austreiben, noch verbieten kann, aber die Meinung, ein Jagdhund sei durch konsequentes Training nicht unter Kontrolle zu bekommen, vetreten meiner Ansicht nach jene Leute, die es nie wirklich probiert haben. Wie oft höre ich ermutigende Sprüche wie „Ach, das haben wir auch probiert, hat nichts gebracht.“. Besagte Hunde dürfen ihr Leben an der Flexi-Leine fristen, weil ihre Besitzer sich nicht darüber im Klaren sind, dass ein Hund Arbeit bedeutet und dass ein angeborener Trieb nicht von einem Tag auf den anderen ausgelöscht werden kann. Dass ein Hund allein durch Bewegung nicht ausgelastet ist. Dass es rassespezifische Bedürfnisse gibt, die es zu befriedigen gilt.

Natürlich möchte ich nicht alle Flexi-Leinen-Hundehalter über einen Kamm scheren. Sicherlich gibt es Hunde, bei denen die Kombination aus Rasse und Jagderfahrung es fast unmöglich macht, den Jagdtrieb im Zaum zu halten. Auf der anderen Seite gibt es solche, die es etwa 4 Wochen mit der Schleppleine aushalten, dann die Flinte ins Korn werfen und sich mit der Flexi-Leine abfinden. Besonders motivierte Exemplare mögen vielleicht noch zum Sprühhalsband greifen. Wahrlos drauf los gesprüht stumpft der Hund ab und es wird sich gewundert, wieso das olle Ding plötzlich nicht mehr funktioniert, hat es doch am Anfang so gut geklappt. Meiner Meinung nach klappt es einzig und allein, weil der Hund erschrickt und sein Handeln unterbricht. Hat Fiffi sich an das Sprühteil gewöhnt und brennt trotzdem durch, heißt es dann „Er weiß doch ganz genau, dass er das nicht darf!“ – nein, weiß er nicht! Wer sich einen Hund anschafft, sollte sich doch im Klaren sein, dass er sich einen Jäger ins Haus holt. Ein Hund, der jagt, folgt lediglich seinen Instinkten – da heißt es umlenken, nicht lebenslanger Leinenzwang. Leider sind die meisten Hundebesitzer zu beschäftigt, zu wenig informiert, zu gleichgültig, um Probleme wie diese in Angriff zu nehmen.

Erst heute haben wir einen jungen Border Collie getroffen, eine ältere Dame am anderen Ende der – ja, ihr könnt es euch denken – Flexi-Leine! Auf meine erneute Erklärung wieso Maya so eine komische Leine trägt, erwiderte das Frauchen nur: „Ach, ich kann meine nicht von der Leine lassen. Die ist schon 2, da ist Hopfen und Malz verloren… Sobald ich sie anleinen will, rennt sie weg.“ Tja, Augen auf beim Hundekauf, oder? Dass bei einem 2-jährigen Border Hopfen und Malz verloren ist, wage ich zu bezweifeln, vielmehr würde ich der netten Dame den Tipp geben, beim nächsten Hund darauf zu achten, dass der IQ des Vierbeiners den eigenen nicht übertrifft oder sich vielleicht doch für eine Katze zu entscheiden.

Nun bin ich selbst überrascht, wie sehr mich dieses Thema ausschweifen lässt, da ich es wirklich traurig finde, welch tolle Hunde geistig verkümmern, weil sie nur trostlos durch die Gegend latschen dürfen und das Köpfchen nicht im Geringsten gefordert wird. Ist es da noch erstaunlich, dass der Hund sich eine andere Beschäftigung sucht? Logisch, dass das Jagen weitaus spannender ist, als neben Herrchen herzuwatscheln.

Was Maya und mich betrifft, so werden wir die nächsten Wochen und Monate auch weiterhin mit Schleppleine durch die Gegend „watscheln“ und fleißig weiterüben. Wenn ein paar Monate – oder auch ein paar mehr – Maya vor der gefürchteten Flexi-Leine bewahren, ist es die Zeit und Mühe doch allemal wert.

 

6 Kommentare

  1. Dein Artikel ist klasse, man sollte ihn aus drucken und groß flächig verteilen :-))).
    Ist doch schon gediegen wie viele Menschen es auf dieser Welt gibt, die sich soooo ähnlich sind.
    Bei Aisha habe ich den Jagdtrieb nie wirklich „raus bekommen“, trotzdem hat sie die letzten Jahre nicht mehr gejagt, weil unsere Spiele, Übungen u.s.w. viel interessanter waren.
    Und ab da war unser gemeinsames Leben einfach toll.

    1. hihihi, danke! also so easy, dass spiele interessanter wären als jagen, ist es bei meinen nicht. aber wir haben den besten hundetrainer und arbeiten sehr viel, also wird das auch noch werden :-)

  2. HiHi.
    Ich verfolge Deinen Block ab und zu und bin wirklich begeistert von Deiner Hingabe und Energie!! Lass Dich also nicht von irgendwelchen „Möchte-gern-Hundeprofis“ niederschmettern :-)!!!
    Nun meine Frage:
    Denkst Du, dass Kito Mayas Jagdverhalten getriggert hat?!
    Ich habe einen Bretonen und möchte mir nun einen Settermix dazuholen.
    Paula jagd bisher nur sperlich. Allerdings habe ich keine Lust auf zwei, zwar mega gut gelaunte, aber völlig unkontrollierbare Hundetiere… :-)
    Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen.
    Dir alles gute mit Deinen 2 Hübschen!
    Anna

    1. hallo anna!
      danke erstmal :-)
      also, es kommt natürlich immer darauf an, was man selbst möchte. hätte ich mir nun keinen so triebigen zweithund dazu geholt, hätte ich sicherlich weniger zu tun. die beiden gucken sich gegenseitig alles mögliche ab und ergänzen sich prima. mich stört das insofern nicht, dass ich gern mit den beiden arbeite und riesen spaß dabei habe. aber darüber muss man sich bewusst sein. ein jagdhund ist schon sehr arbeitsintensiv, mit zwei hast du mindestens doppelt so viel arbeit :-) man kann es natürlich nicht pauschalisieren, aber generell würde ich schon sagen, dass die hunde sich gegenseitig pushen und der jagdtrieb dadurch unter umständen zunimmt.
      lass uns doch mal wissen wie du dich entscheidest :-)
      lg und alles liebe! cosi

  3. da hast du oder ihr ja den gleichen durchgeknalten hund wie wir.hab ihn mit 2 jahren von meiner tochter übernommen.seitdem haben wir sehrviel spass mit fiero.jagen ist das was er am besten kann aber das beschrenkt sich nicht nur auf hasen,dammwild,enten einfach alles was schneller läuft als er.da zieht kein leckerlie egal ob hundefutter oder frische wurst wenn er mal wild oder ne hündin in der nase hat ist es mit ihm vorbei.leider kann fiero auch schmusen aber sowas von. er sehr personen gebunden.und wie lieben ihn so wie er ist…

    1. bei uns wird bzw wurde anfangs auch alles gejagt was nicht bei 3 auf dem baum ist.. aber das federvieh haben wir inzwischen gut im griff. rehe & co haben wir (zum glück) noch nie gesehen, da wir meistens auf dem feld unterwegs sind. leckerli, spielzeug, dummy, keine chance, erst jetzt wo wir wirklich sehr sehr intensiv im antijagdtraining sind und einen super tollen hundetrainer haben, bin ich mir sicher, dass wir es in den griff bekommen ;-)

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