Happy Einjähriges!

Vorfreude ist die schönste Freude. So ist es auch beim Hundekauf. Bevor der geliebte Vierbeiner unser treuer Begleiter wird, stehen viele Fragen ins Haus: Welche Rasse soll es sein, vielleicht doch ein Mischling, vom Züchter oder aus dem Tierheim, ein Welpe oder ein erwachsener Hund? Welcher Hund passt zu mir, kann ich seinen Ansprüchen gerecht werden, welche Eigenschaften bringt er mit? Auch organisatorische Fragen müssen geklärt werden: Wer passt auf den Hund auf, wenn man keine Zeit hat, spielen die Vermieter mit und kann man für die Kosten, die ein Hund so mit sich bringt, aufkommen? Fragen über Fragen… Ist die passende Rasse gefunden, werden Bücher gelesen und Züchter besucht bis der Knirps endlich einziehen darf.

Ich muss gestehen, dass das Ganze bei uns nicht ganz so abgelaufen ist. Dass ich einen Hund will, wusste ich schon seit ich denken kann, jedoch fand ich mich noch bis vor einem guten Jahr damit ab, dass wohl noch einige Jahre ins Land gehen werden bis ich mir meinen Traum endlich erfüllen kann. Ich fand mich damit ab – bis mein Freund mich mit einem „Warum denn eigentlich nicht?“ umstimmte. Der Mietvertrag für unsere eigene Wohnung war unterschrieben, die Zeit für den Hund ließe sich managen, warum also nicht? Noch etwas ungläubig durchforstete ich das Internet nach Hunden in Tierheimen und auf Pflegestellen. Wenn es nach mir ginge, soll es ein großer Hund sein, mein Freund war schon etwas konkreter: ein Bernhardiner wär doch toll! Süß – na klar, aber werden wir einem solchen Hund gerecht, wären Vermieter einverstanden und Hundesitter zu finden? Da hätte man es mit einem etwas handlicheren Hund doch einfacher. Und wieder kam der Vorschlag von meinem Freund: ein Mops soll es sein!

Vom Bernhardiner zum Mops, nachvollziehbar oder? Naja, ein Mops, warum nicht. Immernoch nicht davon überzeugt, dass wir uns tatsächlich einen Hund anschaffen würden, machte ich mich erneut auf die Suche und durchwühlte das Internet nach den kleinen Plattnasen. Ganz wohl war mir dabei jedoch nicht. Wollte ich einen Hund, der dank Überzüchtung von anderen Hunden missverstanden wird und unter Atemnot leidet? Definitiv nicht. So stießen wir auf diverse Mischungen, die dem Mops wieder etwas Nase schenken sollten. Von Rassmos und Puggles war die Rede. Jedoch wollte ich weder einen Terrier, noch einen Beagle und besonders hübsch fand ich die Vertreter dieser sogenannten Hybridrassen auch nicht.

Schnell bewegten sich meine Gedanken wieder weg vom Mops und seinen verschiedenen Mischungen hin zu einem „normalen“ Hund. Der 08/15 Hund, für den sich wohl ein Großteil der deutschen Hundemenschen entscheidet, wenn es darum geht einen treuen, freundlichen Allrounder an seiner Seite zu wissen – ein Labi, schokobraun bitte! Auf den Kommentar meines Vater „Na, das ist wenigestens ein Hund!“ freundete ich mich mit dem Gedanken an, denn hey – wenn meine Eltern den Hund mögen, ist doch der Hundesitter schon gebucht!

Natürlich würde der Hund nicht von heute auf morgen bei uns einziehen, aber es ist doch einfach herzerwärmend sich all die süßen Hunde im Internet anzuschauen und schonmal ein bisschen ins Träumen zu geraten. Bei all der Träumerei stieß ich auf eine Anzeige, aus der mich ein kleines schwarzes Hundebaby mit braunen Kulleraugen ansah. Gefesselt von den entzückenden Bildern las ich Zeile für Zeile der Anzeige… „Mops-Cocker Spaniel-Mischling…. aufgeweckt und quirlig…. 9 Wochen alt…. wegen schwerer Allergie abzugeben…. nur in beste Hände….“

Bei diesen entzückenden Fotos in Maya’s Anzeige siegte das Herz über den Verstand.

Kaum hatte ich die letzten Worte gelesen, waren schon Emails mit dem entsprechenden Link an meinen Freund und meine Eltern raus und wenige Minuten später wählte ich wie hypnotisiert die Nummer unter der Anzeige. Am anderen Ende der Leitung erklärte mir eine junge Frau, dass wir heute noch kommen müssten, wenn wir den Hund haben wollten, da sich für den nächsten Tag bereits eine Interessentin angemeldet hatte. Puh – jetzt wird es ernst! Rückzieher machen oder in die Vollen gehen? „Das geht nicht, völlig überstürzt!“ sagte mein Verstand. Doch ehe dieser ausreden konnte, hatte ich wiederum den Hörer in der Hand, teilte meinem Freund im Büro mit, dass er sofort alles stehen und liegen lassen solle um mit mir nach München zu fahren, versicherte den Vermietern unserer zukünftigen Wohnung, dass es ja nur ein kleiner Hund werden würde und beruhigte meine Eltern, dass der Hund mit seinen 9 Wochen natürlich schon stubenrein wäre und ihnen sicher nicht in die Wohnung machen wird. Was wäre mir in dieser Situation anderes übrig geblieben?

Eine halbe Stunde später sammelte mein Freund mich ein um sich mit mir auf den Weg zu machen, nach drei weiteren sah ich mich mit einem Hundebaby auf dem Arm, das mir über’s ganze Gesicht schleckte, wenige Minuten und einige Tränen der Vorbesitzerin später saß ich mit MEINEM Hund auf dem Schoß im Auto auf dem Weg nach Hause. So wirklich fassen konnte ich es noch nicht und ähnlich ging es auch meinen Eltern als wir am späten Abend mit dem kleinen Knäuel bei ihnen einliefen. So streng sie auch vorher taten, so entzückt waren sie nun doch von der kleinen Maya – die bis vor einigen Stunden noch Donna hieß – die zur Begrüßung erst einmal auf die teure Lieblingsdecke meiner Mutter pinkelte. Doch wer kann einem süßen, kleinen Hundebaby schon böse sein? Nicht einmal meine Mutter, die Hunden nun nicht gerade zugeneigt ist, konnte auch nur die kleinste Miene verziehen. Auf ihre Frage ob die denn so klein bleibe, musste ich sie jedoch enttäuschen…

Das erste Foto nach Maya’s Ankunftstag…

Von einer Handvoll Hund hat Maya sich zu einer hübschen jungen Dame entwickelt, die gern ihren Dickkopf durchsetzt, ihre Grenzen austestet und vor Energie geradezu überzuschäumen scheint… Die mich jeden Tag auf’s Neue mit ihren Mimiken zum Schmunzeln bringt, mir ein Lächeln auf die Lippen zaubert, wenn ich schlecht drauf bin und mir mit ihrer ungebremsten Lebensfreude den Tag versüßt.

Ich habe mich weder über die Rassen informiert, die in Maya stecken, noch habe ich Bücher gewälzt oder Züchter besucht – aber ich hätte es nicht besser treffen können und würde Maya gegen keinen Hund der Welt tauschen. Tja.. und nun ist die kleine Lady schon ein ganzes Jahr bei uns und erfreut sich in weiten Kreisen größter Beliebtheit. Denn welcher Hund kann schon von sich behaupten, dass er sogar „Nichthundemenschen“ wie meine Mutter bekehren kann?

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